chr’s personal website

I’m a grafic designer, copywriter & webworker
  • English
  • Deutsch
  • rss
  • Home
  • Blog
  • Photos
  • Über mich
  • Kontakt
  • Client-Login Area

Dekadenz und neokoloniale Denke

June 27, 2008 | 2:27 pm

Tropical Thunder Filmplakat, ©DreamworksGestern hatte ich das klassische Thailand-Auswanderer-Vergnügen einer wunderbaren Pediküre, gefolgt von einer herrlichen Fussmassage. Home delivery - 10 Schritte vom Schreibtisch in den Vorgarten, in dem nun der von meiner Frau angeschaffte, gepolsterte Massagestuhl steht. Im Normalfall kreisen meine Gedanken bei einer Fussmassage irgendwo um das Nirvana herum, oder zumindest um die legendäre Abhandlung der “foot massage” in Pulp Fiction. Aber gestern hat mich eine grauenhaft tendenziöse pressetext-Schlagzeile beschäftigt, die mich beim Lesen meiner virtuellen Frühstückszeitungen schon genervt hat: “Hollywood vor Einstieg in indischen Filmmarkt“. Und unter dem “Tropical Thunder”-Plakat (© Dreamworksstudios): “Das US-Studio DreamWorks will in den indischen Filmmarkt einsteigen”.

He who pays the piper calls the tune …

Das klingt nun so als würde Herr Spielberg mit Scheckbuch und Anwälten nach Mumbai reisen, und eine ganze Meute von amerikanischen Studio-Bossen gleich hinter ihm Schlange stehen. Schön und gut, aber die Wahrheit ist eine andere: Die Moneten kommen aus Indien! Herr Spielberg braucht Kohle, um sich aus der Umklammerung durch Paramount freizukaufen. Und Mister Anil Ambai (und seine Aktionäre) ist der Mann mit dem Scheckbuch, auf dem gross und deutlich “Forbes Top 10” steht. (Zwischen A.A. auf Platz 6 und Bill Gates auf Platz 3 liegen übrigens zwei weitere Inder, einer davon ist sein Bruder ….)

Diese neokoloniale West-dominiert-Ost-Denke manifestiert sich in den Gazetten üblicherweise in zwei Geschmacksrichtungen: Das Bild ist entweder Schwarz-Weiss-eindeutig (”Tata kauft Jaguar!”), gefolgt von Begriffen wie “Schock” und “Panik”: die Asiaten kaufen “uns” auf. Oder es ist, wie im Fall Dreamworks, auf einer weniger eindeutigen Graustufenskala (”Joint Venture” …) - da werden die Tatsachen dann einfach umgedreht. Hier also die Richtigstellung: Bollywood vor Joint-Venture mit Hollywood!

Nachdem ich nun selbst in einem der sogenannten “Schwellenländer” lebe, bin ich auf diese neokolloniale Attitüde besonders sensibel geworden. Dekadente Fussmassagen finde ich ja wirklich ok, aber die neo- oder vielmehr postkoloniale Verdrehung von Tatsachen ist einfach nur oberflächlich und stumpfsinnig. A propos Schwelle: Wenn es wahr ist, dass Warren Buffet und sein Freund Gates einen Grossteil ihres Vermögens in die B.u.M Gates-Stiftung überführen wollen, dann müssten ja eigentlich ein Mexikaner, drei Inder und ein alter Schwede demnächst die ersten fünf Forbes-Plätze einnehmen.

Vielleicht gibt das dann auch so manchem Provinzredakteur einen Denkanstoss.

 

Comments
2 Comments »
Categories
Asien
Tags
Asien Hollywood Bollywood Indien Geld Wirtschaft
Comments rss Comments rss
Trackback Trackback

Politik auf den Punkt gebracht

June 16, 2008 | 11:53 am

Bürgermeister-Kandidat affichiert wertvollen Einblick in die Politiker-Psyche.

Wahlplakat bring Politkerwunsch auf den Punkt: Love me!Die Asiaten sind ja gemeinhin dafür bekannt, heikle und auch weniger heikle Dinge kunstvoll zu umschreiben. Gerade die Thais haben sich aber eine liebenswürdige “Kindlichkeit” bewahrt, die sich in vielen Dingen als entwaffnende Direktheit äussert.

Viel kann ich auf dem Wahlplakat der Liste 2 (von 12!) für den Bürgermeisterposten unseres aufstrebenden Fischerdorfs ja nicht entziffern … aber gut, ich bin ja auch nicht wahlberechtigt. Aber das Englische, das quasi direkt aus dem Mund des Kandidaten zu kommen scheint, springt mir sofort ins Auge: “Love me”. Kein Scherz, sondern die nackte Wahrheit: “Liebe mich”, und etwas kleiner und sinngemäss übertragen “Liebe meine Listenmitglieder”.

Ja - das ist es. Das muss der Kern der Sache sein: Der homo politicus will in erster Linie geliebt werden! Der gebürtige Ösi denkt da natürlich gleich an den armen Gusi - aber lieber Gusi, Kopf hoch … es ist ja nicht so schlimm. Übrigens: in der Thailändischen Regierung hättest Du kaum 10 Tage überlebt - was Dir im Alpenland entgegenweht, ist da vergleichsweise ein laues Mailüfterl ;)

 

Comments
2 Comments »
Categories
Kuriosa, Thailand
Tags
Politik, Thailand, Wahlen
Comments rss Comments rss
Trackback Trackback

Der Tod und das Mädchen - eine digitale Odysee

June 9, 2008 | 12:09 pm

Franz Schubert, Quelle: Wikimedia CommonsAuch dieses Jahr habe ich wieder die Ehre, mit der Gestaltung der Drucksorten zum vorweihnachtlichen Charity-Event des Bankhauses Krentschker in Graz beizutragen. Darrel Toulon wird diesmal unter anderem eine Choreographie über Schubert’s Streichquartett Nr. 14 in D-Moll, besser bekannt als “Der Tod und das Mädchen”,  machen. Grosse Freude: Anlass, mich wieder in einen meiner absoluten all time favorites einzuhören bevor ich mich an die Design-Arbeit mache. Grosses Entsetzen: Tod und Mädchen haben meinen Digitalisierungsrausch überlebt und schlummern 8000 km entfernt in meiner CD-Sammlung. Symphonien, Klaviertrios, Messen, Impromptus … alles da - nur nicht der morbideste Schubert Franzl aller Zeiten. Auch nicht der zweite Satz allein. Wie konnte das passieren - ausgerechnet mir, der ich so ein Andante-con-moto-Typ bin?

Na gut - auf zum Kauf! Natürlich kann ich nicht mal schnell in Wien’s Klassik-Guru-Läden vorbeischaun und mich zur besten aller erhältichen Aufnahmen verführen lassen. Also say hello - willkommen im iTunes-Store. Oh Gott … “Schubert Tod Mädchen” a.k.a. “death and the maiden” werfen nur ein paar überschmelzte, in Zuckerwatte und digitalem Hall ertrunkene Aufnahmen aus, bei denen das Mädchen dem Tod besser nicht von der Schaufel gesprungen wäre. Und dann lese ich noch den Namen James Levine verlasse den Laden mit einer allergischen Reaktion. 

Also Strategiewechsel: Streichquartett? Alban Berg Quartett!! Weniger aus Patriotismus, mehr aus Überzeugung. Nach der Papierform unschlagbar - Blind-Kauf zulässig. Google nennt mir auch gleich EMI als Label und belehrt mich im Vorübergehen, dass das Quartett aller Quartette von der Bühne abtritt (ausgezeichneter Nachruf in der ZEIT, übrigens). Dann beginnt eine virtuelle wo-kann-ich-das-Zeug-kaufen-und-downloaden-Odysee, an deren Ende ich das Stück meiner Begierde letztlich doch noch über den iTunes-Store beziehe (mit breiterem Suchbegriff leicht zu finden).

Der Frust danach - Online Klassik shoppen: eine vermeidbare Katastrophe!

Aber der wirkliche, weil ungelöste Frust kam erst nach dem Kauf. Nicht dass die Aufnahme schlecht wäre … nein nein, sie hält absolut was sie verspricht. Aber wo ist die Begleitinformation? Alban Berg Quartett, erschienen 1997 - aber wann aufgenommen? Wo? In welcher Besetzung? (der legendäre Bratschist des Quartetts verstarb 1995 … - von wann, liebe EMI ist die Aufnahme?) Ein Label wie EMI Classics weiss doch ganz genau, was der Klassik-Fan wissen MUSS! 

Die Informationen und die ganze Aufmache der erschienenen Werke sind stümperhaft bis nicht-vorhanden, und eine schnelle Test-Runde durch die anderen grossen Klassik-Labels dreht mir den Magen um. Sony/BMG sind überhaupt die schlimmsten - ausser Kaufbuttons die zu Amazon und anderen (eigenen?) Shops gibt es hier gar nichts (verweilens-) würdiges. Nicht einmal die Kaufbuttons sind richtig verlinkt - ein Klick auf Yevgeni Kissin’s  Konterfei, und Donna Summer, Neil Diamond und Iron Maiden lächeln mir aus dem Shop entgegen. So verkauft man “Masterworks”? Einzig die Deutsche Grammophon lässt Hoffnung aufkommen - sie bietet nämlich nebst schönen Beschreibungen zum Kauf auch das Booklet als pdf-Download an. Sehr fein - hätte meine Probleme schlicht und einfach gelöst!

Also liebe Plattenbosse - bevor ihr noch ein weiteres Jahrzehnt lang mit DRM herumwürgt und die Malaise der Branche im mp3-Zeitalter bejammert - macht doch einmal Eure Hausaufgaben! Ich will (online) VERFÜHRT werden - nicht frustriert!

Comments
No Comments »
Categories
Musik
Tags
Alban Berg Quartett, Klassik, Musik, Online Kauf, Schubert, Webdesign
Comments rss Comments rss
Trackback Trackback

Die Russen kommen kaufen.

June 6, 2008 | 4:28 pm

Russian MatrjoschkasOb beim Après-Ski, mit Wodka-Kater unter Palmen oder auf Einkaufstour in der Wüste - die Russen sind schlichtweg überall anzutreffen, seit sie es sich ökonomisch (und politisch) leisten können. Das ist freilich nichts neues, und das ist auch gut so. Weniger gut: Die russische Mittelschicht, die zu einem Grossteil in Moskau konzentriert ist, kann sich dafür Moskau langsam nicht mehr leisten. Moskau - die teuerste Stadt der Welt. Ein Paradoxon der jüngeren Weltgeschichte …

So ist es kein Zufall, dass laut einem Bericht der Bangkok Post russische Immobilien-Käufer dieses Jahr an die 40% des Immobilienangebots in Thailand’s grösstem Beach-, Shopping- und Entertainment-Resort Pattaya aufkaufen werden. Selbstverständlich Schwerpunkt im Top-Segment. Die Rechnung ist einfach - Kleine Matrjoschka für den Moskauer Rubel, grosse Matrjoschka für den Thailändischen Baht: 4000 Dollar pro Quadratmeter für ein Top-of-the-line-Penthouse hier, 20.000 Dollar für einen durchschnittlichen kalten Quadratmeter dort. Ganz zu schweigen von sonstigen Annehmlichkeiten …

Traditionell waren in und um Pattaya und Bangkok die Skandinavier in den letzten Jahren tonangebend - was den Kommentator der Bangkok Post dazu verleitet, die Gemeinsamkeit der Skandinavier mit den Russen zu betonen: ein schrecklicher Winter. Das mag für die Skandinavier sicher der Hauptgrund sein, denn sie lassen sich vorwiegend im Pensionsalter hier nieder, tauschen die Frau nochmal gegen ein 30 Jahre jüngeres Modell aus und pfeifen für ihren Lebensabend auf die Mitternachtssonne. Deutsche detto.

Nicht aber die Russen. Russische Pensionisten spielen ökonomisch freilich in der Sub-Liga - und demensprechend sind die Russen, die nach Pattaya kommen auch im Schnitt vergleichsweise jung - typischerweise zwischen 30 und 40 - und kommen mit ihren gleichaltrigen russischen Frauen. Als Touristen sind sie ob Ihrer Trinkfestigkeit natürlich zuweilen eine Gefahr für den Hotelfrieden, was in Pattaya halb so tragisch ist. Und als Immobilienkäufer, zumindest zum Überwintern, wird ihnen der rote Teppich ausgerollt.

Ich persönlich mag sie. Sie drücken den Altersschnitt der Weisshäutigen etwas in meine Richtung. Denn die Thais hier am heraussen am Land mussten ja schön langsam glauben, wir Farangs kommen mit ungefähr 60 Lenzen auf die Welt. Und irgendwer muss ja auch die Dutzenden Ferraris, Lambos und Aston Martins kaufen, die hier feilgeboten werden.

Comments
14 Comments »
Categories
Auswandern, Thailand
Tags
Auswandern, Immobilien, Moskau, Pattaya, Russen, Thailand
Comments rss Comments rss
Trackback Trackback

Delight and despair: Yet another Wordpress blog!

June 2, 2008 | 2:30 pm

After having lived for about 5 years completely under the “google radar”, it took me about 5 months to decide, wheather I really want to have my own weblog and share and expose my life and thoughts to the public. Decision taken - bought a domain, installed wordpress. 5 minutes + 5 minutes.

But wait: I know far too much about websites and how they work to just take this installation as it is delivered. But of course, I also know far too little to really hack into it and get the results I wanted to have. This comes probably from having run a programming company without ever having written a line of code myself. It’s pure “ya-know-I-could-do-that-too-pride”. The result: 5 days of desperatly trying out around 25 or so plugins and reading tons of html, php and css code that I can hardly understand, let alone rewrite. It’s not that I really learned a great deal from doing this, it’s rather about having piece of mind that what I already have (installed) is really what I want.  Only then I could deactivate and delete all of these plugins and focus on the obvios: the content!

Man, to all of you “I know a little about websites”-guys out there who start a wordpress-blog out-of-the-box, I can only say: forget about the zillion fancy wordpress plugins and just start to write. Keep the toys for later.

So here’s what I learned: I was just very afraid to NOT commit any strategical errors before really starting to fill the site with content - be it the site’s architecture, the theme chosen, the directory structure, metatags, link structure, multi-language structure … but what the hack - FORGET IT ALL. Just write!

Wordpress is an incredibly well structured and amazingly flexible application. You can just change everything, everytime you like. Even “after the fact”. I really mean that. You can move the whole stuff into another directory on your webspace, or only “virtually” move it … the only thing you should take care of from the start is keeping you link-structure consistent and permanent. But don’t worry … it will stay permanent as soon as you stop hacking around ;)

 

 

Comments
No Comments »
Categories
Webdesign
Tags
Blog Software, Design, Programming, Website, Wordpress
Comments rss Comments rss
Trackback Trackback

Naturgemäß beneide ich Dich!

| 2:04 pm

The beach in my glassesUnlängst schrieb mir ein Freund per Skype folgende denkwürdige Worte: “Naturgemäß beneide ich Dich.” Nachdem ich nun schon bald ein Jahr in der ewigen Sonne lebe höre ich soetwas natürlich gelegentlich. Aber in dieser Direktheit und eleganten Thomas-Bernhard-Formulierung höre ich es nicht alle Tage, und schon gar nicht aus dem Mund eines Bankers. Grund genug, über die Naturgemässheit des Beneidens von Auswanderern nachzudenken.

Warum beneidet man einen Auswanderer? Ist der sprichwörtliche Auswanderer nicht jemand, der aus jahrelang angehäuftem Frust und generellem ennui heraus alles hinschmeisst und irgendwo an irgendeinen sonnigen Strand flüchtet und das geniesst, was von seinem Leben noch übrig ist? Beneidet man ihn gerade deshalb, weil man glaubt er habe zumindest das schlimmste schon hinter sich gebracht? Oder darum, weil er den ganzen Tag am Strand sitzt und seine Füsse ins Meer hält? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Es unendlich viele individuelle Gründe dafür, auszuwandern oder eben nicht auszuwandern. Letztlich ist alles eine Frage der individuellen Lebensgeschichte.

Die Sache mit dem Neid ist wohl ein Fall von Vorurteil versus latenten Sehnsüchten. Womit ich nun bei meiner eigenen Erfahrung wäre.

Was ist der Kern der Sache?

Einser-Frage: Was treibst du so den ganzen Tag? Geniesst dein Leben? Antwort: Das gleiche wie vorher. Arbeite, esse, schlafe, verbringe Zeit mit meiner Frau, spiele mit dem Hund und - ja - geniesse mein Leben! Mein Leben “davor” und jetzt unterscheidet sich im wesentlichen in drei Punkten: Erstens Klima, zweitens Wetter, und drittens Temperatur.

Alles andere? same same! 
Basically. 

 

 

Comments
3 Comments »
Categories
Auswandern, Leben, Thailand
Tags
Arbeit, Auswandern, Leben, Thailand
Comments rss Comments rss
Trackback Trackback

chr's Blog

  • Der letzte Wille des Alfred Nobel
  • Ausnahmezustand
  • Steuerverschwendungsaktionismus
  • Der amerikanische Held
  • Brace for impact.
  • Warten auf Godot
  • In god we tru$t?
  • Die Staatsschuldenuhr
  • Bangkok Dangerous
  • Der Paulson Plan

Latest Comments

  • Joerg on Der letzte Wille des Alfred Nobel
  • dta on Die Staatsschuldenuhr
  • Peter Wurm on Steuerverschwendungsaktionismus
  • Peter Wurm on Steuerverschwendungsaktionismus
  • Woody on Die Staatsschuldenuhr
rss Comments rss valid xhtml 1.1 design by jide powered by Wordpress get firefox