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Der Paulson Plan

September 26, 2008 | 8:11 pm

Henry Paulson mit chinesischen FreundenFrage: wie spart man 200 Millionen Dollar Einkommenssteuer?

Oh boy, it’s so simple. Man braucht nur von den besten lernen.
Hier also ein kleines Tutorial, inspiriert von Henry Paulson, dem Mann der Stunde - Mister Bailout, dem Retter der Weltwirtschaft!

2 Schrittte reichen aus, um 200 Millionen Dollar Steuern zu sparen:

Schritt 1: Ein guter Job
Um so viel Einkommensteuer sparen zu können, benötigt man natürlich ein ordentliches Einkommen. Wie ja nun hinlänglich bekannt ist, eignet sich dafür zum Beispiel eine New Yorker Investmentbank ganz gut. Am besten gleich dort, wo immer schon “die besten der besten” arbeiten. In etwa 7 Jahre als Chef von “Goldman Sachs” sind ausreichend, das macht in etwa 500-700 Millionen Dollar. Hauptsächlich in Firmenaktion und Aktienoptionen, versteht sich. Denn solange die Papiere nicht veräussert werden (und noch etwas wert sind), solange fällt auch keine Steuer an.

Schritt 2: Ein noch besserer Job!
Nun kommt der clevere Teil: Wie wird man die Papiere los, ohne dann 200 Millionen Dollar Steuern abzuliefern? Man wird Politiker! Am einfachsten ist es, man wird gleich Finanzminister. Es ist natürlich “unvereinbar”, als oberster Herausgeber von Staatsschuldverschreibungen zum Beispiel Aktien an einer Wall Street Investmentbank zu halten. Das liegt auf der Hand. Nachdem aber auch die Regierung ein grosses Interesse daran hat, dass nur die “besten der besten” in ihren Reihen zum Wohle der Nation arbeiten, gibt es daher ein nettes kleines Gesetz, dass die erzwungene Veräusserung von solchen Wertpapieren für diese selbstlosen Patrioten ein wenig “abfedert”: Nämlich zu 100% STEUERFREI.

So einfach ist das!

Henry Paulson junior, ein bescheidener, hart arbeitender und naturverbundener Junge vom Land, zeigt wie’s geht. Eigentlich wollte er ja Parc Ranger werden, doch wie es der Teufel so will wurde er zuerst Politiker, dann Investmentbanker. CEO von Goldman Sachs (1999-2006), der einflussreichsten Investmentbank der Welt, ist schon eine tolle Sache. Und er hat seinen Job auch toll gemacht! 44 Milliarden Dollar Umsatz hat er der Bank alleine mit Immobilienhypotheken verschafft. Der Mann ist also jeden der 500 Millionen Bonus-Dollar wert, das steht ganz ausser Frage - denn er war auch noch so clever, Immobilienderivate mit entsprechenden Shortselling-Positionen abzusichern. Ich bin mir sicher, ein Blick auf den inflationsbereinigten Hauspreischart anno 2006 hat ihn zu dieser weisen Voraussicht bekehrt!

Und Henry Paulson ist so gut, dass er es sich sogar noch verbessern konnte. Im Moment arbeitet er zum Beispiel gerade daran, sich vom US Congress einen 700 Mrd.-Dollarscheck ausstellen zu lassen, mit dem er schnell, ganz allein ohne zu fragen und - jetzt kommt’s erst - ohne sich später rechtfertigen zu müssen an der Wall Street notleidende Banker unterstützen kann.

Sein ehemaliger Arbeitgeber dankt es ihm bestimmt - schliesslich ist Goldman Sachs, im Gegensatz zu den jüngst verblichenen und aufgekauften Mitbewerbern, dank Paulson’s Umsicht als CEO ja nocheinmal mit einem blauen Auge davongekommen. Die Firma dankt es ihm doppelt und dreifach - denn inzwischen ist auf Paulson’s Initiative Shortselling auf die Aktien von Goldman Sachs verboten - und wenn sein Plan, mit 700 Steuerzahlermilliarden noch den Rest der inzwischen so giftigen Immobilienderivate kurz und schmerzlos zu entsorgen, dann, ja dann können seine ehemaligen Kollegen gemeinsam mit dem Orakel der Wallstreet, also mit Gott selbst, ganz kräftig die Korken knallen lassen!

Gott, a.k.a. Warren Buffet, der neue Miteigentümer, wird bestimmt in seinem Urin spüren, wann der Zeitpunkt kommt, auf den kollabierenden Dollar zu wetten. Und wenn nicht - Henry Paulson sollte es ja sogar noch besser wissen. Denn im Unterschied zu Gott kann er ja heimlich unter den gigantischen Tisch schauen, unter den gerade die kollektiven Verfehlungen von White House, Capitol Hill und Wall Street in einem Aufwischen gekehrt werden. Sollte er dann noch im Amt sein …

PS: Ich finde übrigens überhaupt nicht, dass die sprichwörtliche “Gier” der Banker so verwerflich ist. Im Grunde finden an der Wall Street ja jeden Tag Wahlen statt. Ein Problem, und zwar ein grosses Problem, sind allerdings die Kollegen in Washington, die das Wahlergebnis nicht akzeptieren wollen!

Quellen und weitere Informationen:

http://en.wikipedia.org/wiki/Henry_Paulson
http://www.economist.com/books/displayStory.cfm?source=hptextfeature&story_id=12295116
http://www.huffingtonpost.com/robyn-o/goldmans-revolving-door-e_b_129103.html
http://www.nytimes.com/2008/07/27/business/economy/27hank.html?_r=1&adxnnl=1&pagewanted=4&adxnnlx=1222423493-JPIODyyFEIpKYlXvwjIUqg
http://business.timesonline.co.uk/tol/business/economics/article4794879.ece 

 

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Ökonomie
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Credit Crunch, Goldman Sachs, Henry Paulson, Paulson Plan, Subprime Crisis, Treasury, US, US Dollar
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Freitag, der Neunzehnte

September 23, 2008 | 1:09 pm

19. September 2008, ©derstandard.at

Man erinnert sich noch an die grossartige Dramatik in James Cameron’s opus magnum, als die RMS Titanic dem Untergang geweiht war, der Schiffsbauer bereits die Aussichtslosigkeit der Situation erkannt hat, während im Ballroom noch unbeschwert gefeiert wurde?

Out of thin air
Am 19. September 2008 haben die Herren Busch, Paulson und Bernanke mit der “US Federal Reserve”,  eine (weitere) Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs gerammt. “Die Party geht weiter”, sagt der Captain, und so werden wir wohl noch ein paar Monate weiterfeiern dürfen, wenn auch unter gelegentlichen Hiobsbotschaften, einem rasanten Griff in die Trickkiste und darauffolgenden Kursfeuerwerken. Doch der Tag muss kommen, an dem die Trickkiste nur mehr hergibt, woraus sie gemacht ist: dünne Luft.

Wenn die “Sozialisierung” (a.k.a. Bailout) von nicht abschätzbaren (und offensichtlich nachhaltigen) Wertverlusten und das gleichzeitige Verbot von Leerverkäufen nicht zu einem Kursfeuerwerk führen, na was dann … tja … aber was dann? Was, wenn das Feuerwerk verpufft ist? Dann hat die Party ein wenig länger gedauert, und der “Hang-over” wird umso schmerzlicher und länger andauern. Hello Mother of all depressions.

Der Anfang vom Ende des US-Dollar?
Bankensysteme können durchaus kollabieren und sich neu erfinden (Japan), Staaten können in Konkurs gehen (Argentinien), und Währungen können verschwinden. Ist uns bewusst, dass es in der neueren Geschichte 3.800 Papier-Währungen gab, die es … nicht mehr gibt? Kann eine internationale “Leitwährung” zusammenbrechen? Natürlich!

Ich bin ja nicht unbedingt ein Pessimist, mit Sicherheit kein Verschwörungstheoretiker, und zudem höchstselbst ein begnadeter Meister der Verdrängung, und finde mit Leichtigkeit Argumente zur Aufrechterhaltung eines status-quo. Ich hätte also durchaus eine Zukunft in der Politik ;)

Aber irgendetwas lässt mich diesmal nicht kalt. Ich suche verzweifelt … 
Als ich vor 20 Jahren begonnen hatte, Wirtschaftswissenschaften zu studieren lagen die Rufe des inzwischen legendären Club of Rome noch immer in der Luft. Intellektuell nachvollziehbar, ökonomisch wegargumentierbar. Schön und gut … und verdrängt. Zwei Jahrzehnte lang gelang es mir bestens, diese Mischung aus intellektuellem Verstehen von Zusammenhängen und praktischem Verdrängen aufrechtzuerhalten.  

Cassandra lässt grüssen
Hier ein wunderbares Beispiel einer aktuellen Cassandra - ein “Crash” Course in 20 Lektionen, perfekt inszeniert von einem Amerikaner namens Chris Martenson - wissenschaftlich ausgebildet, talentierter Pädagoge, erfahrener “Corporate Finance”-Karrierist. (”Ex” … bis zur Midlife-Crises, sozusagen). Selbst wenn man keinen Statistiken traut, die man nicht selbst gefälscht hat … ökonomische Analysen über 300-Jahre-Zeiträume sind einfach geil. Faszinierend und schockierend.

Take a look, and tell me where he’s wrong:
Chris Martenson’s Crash Course zu Geldwirtschaft/Energie/Umwelt

My guess: he isn’t. What am I missing?

Man kann gut und gerne einen langen Abend verbringen mit diesem Crash Course. Die Zeit ist gut investiert. Zweifel garantiert. Woran auch immer. Viel Vergnügen!

ps: derstandard.at möge mir die Urheberrechtsverletzung mit dem Titelbild verzeihen … - ich habe der Redaktion ja erst unlängst eine “Ansichtssache” geschenkt. Aber dieser “Top Story”-Cocktail vom 19.11.2008 gehört einfach festgehalten. In all seiner Perversion. Let’s keep the party rolling.

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Deutsch
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Analyse, Energie, Finanzkrise, Krise, Wirtschaft
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Adé WS-D

September 9, 2008 | 10:00 am

Wieder was gelernt: Was, beim Zeus, ist ein Lungen-Embolie? Ein Klumpen Blut, der sich irgendwo in den Beinen bildet (z.B. ausgelöst durch langes, unbewegliches Sitzen) und sich durch die Gefässe seinen Weg nach oben bahnt, um die Sauerstoffversorgung auszuknipsen.

Schwer vorstellbar, dass Professor Schmidt-Dengler, der am vergangenen Sonntag 66-jährig an einer Lungen-Embolie verstorben ist, jemals länger als ein paar Minuten unbeweglich verharrt ist. Wendelin Schmidt-Dengler, dessen Berufung es war, Texte zu lesen und zu vermitteln, war vielmehr ein rastloser Vulkan, aus dem unentwegt prickelnde Wortklumpen in rasender Geschwindigkeit nach aussen geschleudert wurden. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, dass er beim Lesen eines Buches niedergesessen ist.

Ich hatte 1996 die Ehre einer Audienz beim Literaturpapst. Die hastige Begegnung ist mir in prägender Erinnerung geblieben. Als Organisationsgehilfe für die Ausrichtung von recht gross angelegten Doderer-100′er-Festspielen in Wien durfte ich an der Seite seiner Ex-Studentin Barbara Rett, der Initiatorin des Projekts, zu einer Audienz erscheinen. Offiziell war er ja der wissenschaftliche Leiter der ganzen Aktion, aber er war freilich nie anwesend - aber dennoch immer irgendwie präsent, und durch eine Reihe von Dissertanten und Experten im Projektteam repräsentiert. Barbara hatte mich im Laufe der einjährigen Vorbereitungszeit zu allerhand Gesprächen mit ungefähr allen Ministern, Generaldirektoren und anderen Wirtschaftskapitänen mitgeschleppt, mit denen sie per-Du war (und das waren viele …) - auf der Suche nach Genehmigungen, Sponsorgeldern und sonstigen Unterstützungen. 

All diese Begegnungen sind spurlos an mir vorübergegangen. Lediglich das Gespräch mit dem Literaturfanatiker, bei dem es eigentlich um nicht viel mehr als um einen Höflichkeitsbesuch ging, hat mich tief beeindruckt. Dieser Mann war ein Feuerwerk. Ein liebevoll-charmanter Freak. Ein “Eros” in Fleisch und Blut.

Nun hat ihn Thanatos eingeholt. Aber wohl kaum zum Schweigen gebracht …

 

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Barbara Rett, Doderer, Literatur, Lungen-Embolie, Wendelin Schmidt-Dengler
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From Hero to Zero …

| 9:09 am

Nein nein, nicht schon wieder Politik … Pattstellung in Bangkok, also kann ich mich in der Wartezeit bis zum nächsten Militärcoup wieder mit den wirklich wichtigen Dingen im Leben beschäftigen.

Was für ein dramatisches Finale in den Ardennen!
Im Sport ist es ja zwingend notwendig, Farbe zu bekennen: ich bin durch und durch rot und selbstverständlich ein glühender Anhänger von Mister Natural-Born-Racer Räikkönen. Ich mag diese makellos antrainierten ehrgeizigen Kontrollfreaks einfach nicht …  seien sie noch so lieb und fleissig (Massa) oder auch noch talentiert und gnadenlos obendrein (Ham). Dass sich diese beiden Musterschüler nun die WM 2008 wohl unter sich ausmachen, ist nachvollziehbar. Und es tut weh. Umso mehr, als mein Held in diesem Jahr an japanischen Einheitsreifenmischungen scheitert, die für Warmduscher und Musterschüler konzipiert sind. Man glaube mir, ich weiss hier wovon ich spreche - das kann einfach nichts. Entweder wird man Ingenieur, oder Rennfahrer. In dieser Weltmeisterschaft muss man beides sein …

Alles oder nichts
Kimi zu Fuss zurück Dabei war bis ein paar Runden vor Schluss noch die Erlösung in Form des Grand Prix von Belgien nahe - Kimi von Startplatz 4 mit Biss und Killerinstinkt in Führung, seine vermutlich letzte Chance, diese WM noch umzudrehen. Und dann drehte der 4 Runden vor Schluss einsetzende Regen Herrn Räikkönen um und in die Streckenbegrenzung. Ein klassischer Fall von “wollte zuviel”. Er wollte alles oder nichts, ganz wie es sich für einen Rennfahrer gehört. In einem völlig irrationalen Versuch, sich für den nächsten Konter gegen Hamilton in Position zu bringen fliegt er zum zweiten Mal in dieser Runde mit vollem Geschäft und in weitem Bogen und mit mörderischem Schwung durch die nasse Auslaufzone. Was beim ersten mal ein Geniestreich war, scheiterte dann bei der Rückkehr auf die Strecke: zack - weg - tusch … aus. Null Punkte.

Und das ist auch schon das Drama am Rennfahren: Hätte er es gemütlich angehen lassen, hätte er Hamilton vorausgeschickt im Regentanz, und ihn eventuell in sogar nochmehr Dreher provoziert, als er ohnedies schon hatte. Und das Rennen sogar nachträglich am grünen Tisch gewonnen, für Hamilton’s Abkürzer. 

So aber hat er für dieses Jahr höchstwahrscheinlich alles verloren …. - alles, bis auf sein Rennfahrer-Herz.

 

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Rennfahren
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Belgien, Formel 1, Hamilton, Kimi Räikkönen, Massa, Spa-Francochamps, Weltmeisterschaft
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Die Golfschlägerrevolte

September 2, 2008 | 10:39 pm

Golfschläger statt BambusprügelDie Lage in Bangkok’s Regierungsviertel hat sich heute im Laufe des Tages zwar nicht unbedingt beruhigt, aber zumindest ein wenig im Chaos stabilisiert. Abgesehen von der Tatsache, dass die Wahlkommission nach monatelangen Erhebungen ausgerechnet heute die Auflösung der Regierungspartei wegen Stimmenkaufs eines Abgeordneten beantragt hat. So ein Zufall aber auch …. - was an der ganzen Causa wirklich bedenklich ist, aber hier im Land kaum jemand zu begreifen scheint, ist dass (abgesehen von der Exekutive) auch die Justiz nicht funktioniert. Die Unabhängigkeit der Gerichte war kaum ein Thema in den grossen Medien, und obwohl das ganze wirklich schon burmesische Züge annimmt, scheint es auch heute noch keinen zu stören: Vorige Woche z.B. gab es einen Räumungsbefehl gegen die Demonstranten im Regierungsgebäude, der von der Polizei nicht exekutiert wurde. Vor ein paar Tagen wurde das Urteil von einem anderen Gericht aufgehoben - aus Mangel an Beweisen! Die Polizei hat mehrere Tausend Schlag- und Stichbehelfe - mehrheitlich Golfschäger im Regierungsgebäude sichergestellt. (Die Golfschläger sind ein untrügliches Zeichen, dass sich Thailand ökonomisch durchaus entwickelt ;). Bloss konnte nicht eindeutig festgestellt werden, dass dies die Waffen der Demonstranten waren. Tja …

Keep smiling
Ich habe heute mit ein paar Thais in meiner Umgebung gesprochen, und war gar etwas verblüfft, mit welchem Humor und mit welcher Gelassenheit sie auf die Ereignisse reagieren. Dabei hilft natürlich, dass die Thais generell nicht sehr talentiert oder willens sind, in die Zukunft zu denken: Wie das ganze morgen bedrohlicherweise eskalieren könnte, interessiert heute traditionell keinen. Dafür gehen die Emotionen im “jetzt” ungleich tiefer. Und rein emotional, habe ich den Eindruck, wenden sich die Menschen (sowie auch einige Leitartikler) nun schön langsam ab von den Regierungsgegnern. Vor ein paar Tagen noch hegten zum Beispiel meine Frau, sowie viele Ihrer Freunde und Bekannten durchaus Sympathien für die PAD, aus der simplen Rechnung heraus: Wer gegen die korrupte Regierung ist, der ist automatisch gut. Hintergründe? Ziele? Wozu … 

Nach dem ersten Toten heute nacht ist aber jetzt Schluss mit lustig, und nun sind auf einmal viele zornig auf die PAD, und aus den “Rettern” werden nun schön langsam das was sie in Wahrheit sind: eine Bande von kriminellen Volksverhetzern. Inzwischen hat sich selbst der Anführer der (legalen) parlamentarischen Opposition von der PAD distanziert, obwohl einige Abgeordnete seiner Partei ganz offen mit der PAD kokettiert haben.

Der lange Schatten Thaksins
Wer sich für die Hintergründe der ganzen Aktion(en) interessiert, der braucht einfach nur die Biographien der beiden PAD-Anführer Sondhi Limthongkul und Major General Chamlong Srimuang durchlesen. Ich habe das Experiment mit meiner Frau durchgeführt - und ihr war sofort sonnenklar, dass diese beiden frustrierten Desperados nichts anderes als eine persönliche Vendetta gegen ihren ehemaligen Freund und Mitstreiter Thaksin Shinawatra im Sinn haben. Und damit den Sturz seiner “Marionette”, des derzeitigen Noch-Premiers.

Den mag sie freilich auch nicht - er trägt in Thailand die Beinahmen “Big Mouth” bzw. “Bad Mouth” - ein alter Sturschädel, nicht zimperlich in seiner Wortwahl. Aber die Leute haben ihn, den Fernsehkoch und ex-Hardliner mit über 40 Prozent gewählt. Die Sache mit dem Stimmenkauf ist natürlich hoch wahrscheinlich, aber selbst der Oppositionsführer hat heute zugegeben, dass er auch ohne gekaufte Stimmen gewonnen hätte. Das ist thailändische Demokratie - denn die Leute sind ohnehin schlau genug, sich ihre Stimme gleichzeitig von mehreren Parteien abkaufen zu lassen, und dann erst zu wählen, wen sie wollen …

Spannend wird es freilich, ob die Menschen tatsächlich eine PAD und deren Ziele wollen, die sie nun mit dem Begriff “New Politics” zusammenfassen. In einem Wort: ein Ständestaat. Ein Parlament, das zu einem Drittel gewählt und zum zwei Dritteln nach ständischen Kriterien königlich ernannt wird. Thailand sei nicht reif für eine Demokratie, sagen die PAD-Anführer.

Der König schweigt. Hoffentlich ist er noch bei guter Gesundheit. Long live the King!

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Bangkok, PAD, politische Krise, Thailand
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Ausnahmezustand

| 12:44 pm

Jetzt ist es soweit … - seit heute früh gilt in Bangkok ein temporärer Ausnahmezustand, nachdem in der Nacht Gegenprotestanten mit den Protestanten der People’s Alliance for Democracy aneinandergeraten sind und ein erstes Todesopfer, sowie Dutzende Verletzte zu beklagen sind. Gestern wurden den Polizisten, die das seit einer Woche besetzte Regierungsgebäude umstellen, sogar noch die Schlagstöcke abgenommen - offiziell aus Angst vor Zusammenstössen zwischen Polizei und Demonstranten. Nun versucht die Armee, die Situation unter Kontrolle zu bringen.

Unter Kontrolle ist freilich gar nichts - der Premierminister, dessen Rücktritt das vorrangige Ziel der Demonstranten ist, tritt nicht zurück (”Ich habe nichts falsch gemacht”), und steht seit Tagen zwischen der Entscheidung, Stärke zu zeigen und den Demonstranten mit einer gewaltsamen Auflösung der Besetzung in die Hände zu spielen, oder Schwäche zu zeigen und eben z.B. der Polizei auch noch die Schlagstöcke abzunehmen. Die “friedlichen” Demonstranten sind im übrigen hauptsächlich mit tausenden Golfschlägern (!) bewaffnet … und haben sich, wie in einem Stellungskrieg, im Regierungsgebäude verbarrikadiert. 

Wer die Chronologie der Ereignisse mitverfolgen will, findet hier die Berichterstattung:

- Bangkok Post, die relativ liberale englischsprachige Tageszeitung mit einer Sonderberichterstattung
- The Nation, ein eher rechtskonservatives englischsprachiges Blatt 
- Schoenes-Thailand.de - ein kritischer, äusserst umfassender und detailreicher Thailand-Blog in deutscher Sprache

Ich werde heute etwas später noch etwas zu den Hintergründen schreiben, sowie zum “Stimmungsumschwung”, der gerade zu beobachten ist. 

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Bangkok, PAD, Political Crisis, Thailand
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