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Freitag, der Neunzehnte

September 23, 2008 | 1:09 pm

19. September 2008, ©derstandard.at

Man erinnert sich noch an die grossartige Dramatik in James Cameron’s opus magnum, als die RMS Titanic dem Untergang geweiht war, der Schiffsbauer bereits die Aussichtslosigkeit der Situation erkannt hat, während im Ballroom noch unbeschwert gefeiert wurde?

Out of thin air
Am 19. September 2008 haben die Herren Busch, Paulson und Bernanke mit der “US Federal Reserve”,  eine (weitere) Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs gerammt. “Die Party geht weiter”, sagt der Captain, und so werden wir wohl noch ein paar Monate weiterfeiern dürfen, wenn auch unter gelegentlichen Hiobsbotschaften, einem rasanten Griff in die Trickkiste und darauffolgenden Kursfeuerwerken. Doch der Tag muss kommen, an dem die Trickkiste nur mehr hergibt, woraus sie gemacht ist: dünne Luft.

Wenn die “Sozialisierung” (a.k.a. Bailout) von nicht abschätzbaren (und offensichtlich nachhaltigen) Wertverlusten und das gleichzeitige Verbot von Leerverkäufen nicht zu einem Kursfeuerwerk führen, na was dann … tja … aber was dann? Was, wenn das Feuerwerk verpufft ist? Dann hat die Party ein wenig länger gedauert, und der “Hang-over” wird umso schmerzlicher und länger andauern. Hello Mother of all depressions.

Der Anfang vom Ende des US-Dollar?
Bankensysteme können durchaus kollabieren und sich neu erfinden (Japan), Staaten können in Konkurs gehen (Argentinien), und Währungen können verschwinden. Ist uns bewusst, dass es in der neueren Geschichte 3.800 Papier-Währungen gab, die es … nicht mehr gibt? Kann eine internationale “Leitwährung” zusammenbrechen? Natürlich!

Ich bin ja nicht unbedingt ein Pessimist, mit Sicherheit kein Verschwörungstheoretiker, und zudem höchstselbst ein begnadeter Meister der Verdrängung, und finde mit Leichtigkeit Argumente zur Aufrechterhaltung eines status-quo. Ich hätte also durchaus eine Zukunft in der Politik ;)

Aber irgendetwas lässt mich diesmal nicht kalt. Ich suche verzweifelt … 
Als ich vor 20 Jahren begonnen hatte, Wirtschaftswissenschaften zu studieren lagen die Rufe des inzwischen legendären Club of Rome noch immer in der Luft. Intellektuell nachvollziehbar, ökonomisch wegargumentierbar. Schön und gut … und verdrängt. Zwei Jahrzehnte lang gelang es mir bestens, diese Mischung aus intellektuellem Verstehen von Zusammenhängen und praktischem Verdrängen aufrechtzuerhalten.  

Cassandra lässt grüssen
Hier ein wunderbares Beispiel einer aktuellen Cassandra - ein “Crash” Course in 20 Lektionen, perfekt inszeniert von einem Amerikaner namens Chris Martenson - wissenschaftlich ausgebildet, talentierter Pädagoge, erfahrener “Corporate Finance”-Karrierist. (”Ex” … bis zur Midlife-Crises, sozusagen). Selbst wenn man keinen Statistiken traut, die man nicht selbst gefälscht hat … ökonomische Analysen über 300-Jahre-Zeiträume sind einfach geil. Faszinierend und schockierend.

Take a look, and tell me where he’s wrong:
Chris Martenson’s Crash Course zu Geldwirtschaft/Energie/Umwelt

My guess: he isn’t. What am I missing?

Man kann gut und gerne einen langen Abend verbringen mit diesem Crash Course. Die Zeit ist gut investiert. Zweifel garantiert. Woran auch immer. Viel Vergnügen!

ps: derstandard.at möge mir die Urheberrechtsverletzung mit dem Titelbild verzeihen … - ich habe der Redaktion ja erst unlängst eine “Ansichtssache” geschenkt. Aber dieser “Top Story”-Cocktail vom 19.11.2008 gehört einfach festgehalten. In all seiner Perversion. Let’s keep the party rolling.

Kategorien
Deutsch
Tags
Analyse, Energie, Finanzkrise, Krise, Wirtschaft
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