Warten auf Godot
November 28, 2008 | 4:46 pmIn Samuel Beckett’s Klassiker des “absurden Theaters” der Pariser 50er-Jahre sitzen zwei Landstreicher und ein heruntergekommener Aristokrat zwei Akte lang herum und warten auf die Ankunft eines gewissen Godot. Keiner weiss, wer das sein soll, und warum man überhaupt auf ihn wartet.
Absurdes Theater wird nun schon seit zwei Jahren in Bangkok gegeben. Auch hier warten die Akteure vergeblich. Der undefinierte und undefinierbare Erlöser wird nicht kommen. Während dessen wartet man eben aufeinander.
Der Premier-Minister wartet darauf, dass der Armee-General putscht. Der Armee-General wartet darauf, dass ihn der PM entlässt. Die Campierer auf den Flughäfen und im Regierungsgebäude warten darauf, dass der PM zurücktritt. Die Gerichte warten darauf, dass sie die regierenden Parteien auflösen. Die Polizei wartet auf einen Befehl, den sie dann nicht ausführt. Und irgendwo in der Ferne wartet ein exilierter Ex-Premier, gleichzeitig Messias und Antichrist der thailändischen Politik, auf seine eigene Rückkehr. Dessen Anhänger warten darauf, dass er endlich “auspackt”, seine Gegner dass er endgültig einpackt.
Und der König schlussendlich wartet auf Besserung. Seine eigene gesundheitliche … denn Gerüchten zu Folge bleibt dem greisen Vater der Nation der letzte Akt in diesem Theater schon mehr oder weniger erspart.
Nicht so freilich den tausenden Fluggästen: ihnen bleibt, en attendant, aber auch nichts erspart.
Im Unterschied zum thailändischen Wahlvolk jedoch haben die Fluggäste zumindest die Hoffnung, dem Spektakel doch noch irgendwann zu entkommen, am Check-Out-Schalter.






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