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Ausnahmezustand

April 12, 2009 | 3:43 pm

In und um Pattaya geht es dieser Tage rund: wir ziehen um, ca. 10 Meter weiter, ins Nachbarhaus. Absoluter Ausnahmezustand also … tausende Kabeln werden neu verlegt, Kästen herumgerückt, Löcher gebohrt und ganz allgemein … jede Menge Unordnung.

Aber die lustigere Äktschn fand 30 Kilometer weiter statt, am Royal Cliff in Pattaya City, Vergnügungshauptstadt von Südostasien und stolzer Austragungsort eines weiteren unnützen ASEAN+Friends-Gipfeltreffens, das schon seit Monaten verschoben und abgebrochen wird. Ein Weltklasse-Spektakel, der Gipfel der Blamage. Coitus interruptus wegen einer kleinen Abordnung an Regierungsgegnern in roten T-Shirts, die in Kooperation mit 6.000 Polizisten im Stand-by-Modus den nie gewählten “demokratischen” Premierminister zur Lachnummer des Kontinents werden liessen.

Premierminister Abhisit ist nicht gerade eine harte Nuss. Der sanftmütige Feschak mit so feinen Manieren, und dem schönen Eton+Oxford-Englisch - überhaupt der Traum von einem Schwiegersohn - ist, landläufig gesprochen, ein Weichei. Im Unterschied zu anderen Politikern ist er zwar nicht geistesgestört und/oder neurotisch, dafür aber umso dümmer. Die unsägliche Hybris, die er unlängst bewiesen hat, qualifiziert aber durchaus für das Amt: Abhisit, der noch jede Wahl verloren hat bei der er angetreten ist, und dank eines aberwitzigen (und sicherlich nicht billigen) Parlamentssesselrückens an die Macht gekommen ist, fährt als ASEAN-Vorsitzender nach London und hält im Vorfeld der G-20-Vorbereitungen einen Vortrag an seiner Alma Mater in Oxford … zum Thema Demokratie. Hier nochmal langsam: zum Thema De-mo-kra-tie!

Selten so gelacht. Ausser gestern eben … seit Tagen ist freilich “alles unter Kontrolle” (mit Ausnahme der knapp 100.000 Rothemden und Taxifahrer die seit Wochen das Regierungsviertel lahmlegen), der Gipfel (3. Versuch) findet selbstverständlich statt - alles läuft nach Plan, überhaupt kein Problem - Abhisit war bestens vorbereitet, indem er im Morgengrauen einen bereits etwas abgestandenen Thai-Schmäh ausgepackt hat. Auf wundersam spontane Weise formiert sich um 07h00 morgens eine neue 200 Mann starke Bürgertruppe mit dem furchtbar einfallsreichen Namen “People love Pattaya”, Kostenpunkt schätzungsweise 500 Baht (10 EUR) pro Person plus ein blaues Hemd (die Frage ist nur, ob die Zivilpolizisten unter ihnen auch noch ein Zusatzhonorar bekamen …), Auftrag: Pattaya vor den roten Chaoten schützen. 

Mit “alles unter Kontrolle” meinte der Premier vermutlich das geplante spontane Rauchbomben-Scharmützel in sicherer Entfernung vom Tagungsort. Aber man braucht nicht gerade Sun Tzu studieren, um diese Regierung auszutricksen. Es reicht schon, die Zufahrtsstrassen von ein paar anderen Hotels zu sperren (damit die Gipfelteilnehmer “im Verkehr stecken”  - das passiert freilich auch Normalsterblichen immer wieder in Pattaya), und als Abschluss in der allgemeinen Konfusion ein paar Gipfelstürmer in das internationale Pressezentrum am Tagungsort vordringen zu lassen.

Game over - Gipfel abgebrochent, 16 Staats- und Regierungschefs und ihre Legionen von Beamten dürfen wieder heimfahren. Eh besser so … im Angesicht der Tatsache, dass die Asiaten auch immer mehr von der westlichen Wirtschafts-Stimulus-Krankheit erfasst werden, ist das beste was sie tun können ohnehin … nichts zu tun.  Denn bei so einem Gipfel brüstet sich im Moment ja jeder damit, wer den grösseren Stimulus zusammenkratzen kann. Und gerade diesbezüglich sind die Thais und ihre ASEAN-Nachbarn den Japanern ohnehin hoffnungslos unterlegen. Die Japaner haben freilich einen grossen Vorteil … sie stimulieren schon seit 17 Jahren erfolglos. Dysfunktionale Regierungen haben sie auch schon in etwa so lange. Diesbezüglich aber könnten sich so manche noch etwas von Thailand abschauen.

Es war übrigens nie das Ziel der Rothemden, den Gipfel zu stören. Oder vielleicht doch? Verschleierungstaktik wie bei den alten Chinesen? Wie auch immer … der Gipfel ist Geschichte, und der chinesische Premier Wen Jiabao hatte vermutlich wieder ein bisschen Zeit, zwischendurch ein paar Zeilen Adam Smith zu lesen …

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