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Der letzte Wille des Alfred Nobel

October 11, 2009 | 9:50 pm

Manchmal würde ich wirklich gerne wissen, was die da rauchen in Oslo. Gut, es wäre nicht das erste Mal, dass ein Friedensnobelpreis “ex ante”, also für ungelegte Eier vergeben wird … und es wurden auch schon ein halbes Dutzend dieser Medaillen an andere zweifelhafte Vertreter der US-Administration vergeben.

Der alte Schwede Nobel hatte testamentarisch verfügt, dass der Preis an denjenigen vergeben wird, „der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt“ und damit „im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht“ hat.

Na bitte - dann schauen wir doch einfach einmal, ob die vier Damen und der eine Herr, die das derzeitige Nobelpreis-Komittee in Oslo bilden, Alfred Nobel’s Testament wirklich beim Wort genommen haben, oder ob sie vielleicht ganz einfach dem unwiderstehlichen Charme und der brillianten Rhetorik des feschen Präsidenten erlegen sind …

“Verbrüderung der Völker”

Zweifellos ist das amerikanische Imperium ein Meister der internationalen Verbrüderung: 761 Übersee-Militärbasen (lt. DoD Basestructure Report 2008) in über 135 (von 192)  Ländern der Erde zeigen, dass sich die Amerikaner wahrlich bis in die letzten Winkel des Planeten verbrüdert haben. Selbst Julius Caesar wäre hier vor Neid erblasst. Präsident Obama ist also der Oberbefehlshaber von 761 Militärbasen ausserhalb, sowie 4.564 innerhalb der USA. Keep that in mind.

“Abschaffung oder Verminderung stehender Heere” *

Abschaffung? Verminderung? Weit gefehlt …
Obama’s Budget 2010 sieht eine Erhöhung der “regulären” Militärausgaben um satte 4% vor. Das ist umso bemerkenswerter, als die Bush-Administration dieses Budget bereits in astronomische Dimensionen aufgeblasen hat. Nicht enthalten sind hier Ausgaben für die laufenden Kriege: 130 Mrd. Dollar für “war spending” 2010 (Bush 2009: 75,5 Mrd.), plus nocheinmal zusätzliche 205,5 Mrd. Dollar extra und aussertourlich, spezifisch für Irak und Afghanistan. Wenn man die budgetierten Kriegsausgaben mit dem abgelaufenen Budget-Jahr 2008/09 vergleicht, bekommt man glatt den Eindruck, dass hier ein Einmarsch in den Iran bereits budgetiert ist … (Obama hat übrigens einen nuklearen Erstschlag gegenüber dem Iran dezidiert nicht ausgeschlossen.). De facto frisst sich der industriell-militärische-Komplex auch unter Präsident Obama weiterhin komplett ungebremst wie ein bösartiger Tumor durch den amerikanischen Staatshaushalt.

“Förderung von Friedenskongressen”

Der letzte Punkt in Alfred Nobel’s Testament trifft auf Obama noch nicht zu.  Nach nur 8 Monaten im Amt gilt hier noch die Unschuldsvermutung. Es sei denn, es zählt bereits, dass er seit einem halben Jahr ergebnislos versucht, die ewigen Israelis und Palästinenser überhaupt erst wieder an einen Tisch zu bringen. Aber die Geschichte der amerikanischen Nobelpreisträger zeigt ohnehin, dass es sich auszahlt, zuerst Krieg zu führen, und danach für die Friedensverhandlungen eine Medaille einzustreifen.

So passiert etwa 1973, als Nixon’s National Security Advisor und späterer Aussenminister Henry Kissinger für die Verhandlungen zur Beendigung des Vietnam-Kriegs ausgezeichnet wurde. Klingt ja durchaus ehrenhaft. Bloss haben Nixon und Kissinger den amerikanischen Kongress jahrelang belogen (ähnlich wie später Bush/Cheney 2001 betreffend der Irak-Invasion). Kissinger hatte komplett an den Abgeordneten vorbei von 1969-1973 Flächenbombardements über dem neutralen Kambodscha angeordnet, die 600.000 (!) Menschenleben gekostet haben, das Land ins Mittelalter zurückgeworfen und damit den Boden für den Aufstieg der verbrecherischen Khmer Rouge gelegt haben. Kissinger wurde bis zum heutigen Tage nicht als Kriegsverbrecher angeklagt, sondern geniesst allerhöchstes Ansehen.

Einer der wenigen, der den Preis offensichtlich ernst genommen hat, mir scheint, war der Vietnamese Lê_Ðức_Thọ. Er sollte 1973 gemeinsam mit Kissinger ausgezeichnet werden. Mit den Kommentar “in meinem Land herrscht noch nicht Frieden” hat er den Preis einfach abgelehnt.

Wird also Obama den Preis verdient haben?

Präsident Obama hat den Preis angenommen, und zwar mit den Worten “Ich habe ihn nicht verdient“.

Ich bin aber immer noch recht optimistisch, dass Obama den Preis letztendlich verdienen wird. Und zwar in gleicher Weise, wie ihn Michael Gorbatschow (1991) verdient hatte: der hat nämlich wirklich sein stehendes Heer tatsächlich “vermindert”, das zerfallende sowjetische Imperium aufgelöst und damit den kalten Krieg beendet. Gorbatschow ist zweifellos jener Nobelpreisträger, der Alfred Nobel’s testamentarischen Wunsch am wirkungsvollsten erfüllt hat.

Obama ist - aller Rhetorik zum Trotz - noch Lichtjahre entfernt von Glasnost und Perestrojka. Aber er hat dennoch die historische Chance, es Gorbatschow demnächst gleichzutun. Die Amerikaner haben den kalten Krieg nicht gewonnen. Sie werden ihn nur später verlieren. Sie werden bloss später … pleite gehen.

In diesem Sinne gebührt der Friedensnobelpreis 2009 möglicherweise dem zukünftigen Masseverwalter des imperium americanum.

–

* PS:  Nobel’s Formulierung bezüglich der “stehenden Heere” klingt heutzutage etwas anachronistisch - trifft den Nagel aber auf den Kopf. Die aufstrebende römische Republik war sich dieser Problematik schon bewusst: ein halbes Jahrtausend lang war es römischen Heerführern verboten, mit einem stehenden Legion nach Rom zurückzukehren. Ein obskurer Bach in Norditalien markierte die Grenze, an der jede heimkehrende Legion spätestens aufgelöst werden musste. Bis 49 vor Christus, als ein brillianter und ehrgeiziger Heerführer namens Gaius Julius Caesar auf seinem Rückweg von der Eroberung Galliens eben diesen Rubicon überschritt, und damit einen Bürgerkrieg lostrat, der letztlich Rom von einer aufstrebenden, demokratischen Republik innerhalb von wenigen Jahren in ein dekadentes, kaiserliches Imperium transformierte. Ein Imperium, das - wie alle Imperien - letztlich schlicht und einfach pleite ging.

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Alfred Nobel, Barack Obama, Friedensnobelpreis 2009, Gorbatschow, Imperium, Kissinger, USA
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Ausnahmezustand

April 12, 2009 | 3:43 pm

In und um Pattaya geht es dieser Tage rund: wir ziehen um, ca. 10 Meter weiter, ins Nachbarhaus. Absoluter Ausnahmezustand also … tausende Kabeln werden neu verlegt, Kästen herumgerückt, Löcher gebohrt und ganz allgemein … jede Menge Unordnung.

Aber die lustigere Äktschn fand 30 Kilometer weiter statt, am Royal Cliff in Pattaya City, Vergnügungshauptstadt von Südostasien und stolzer Austragungsort eines weiteren unnützen ASEAN+Friends-Gipfeltreffens, das schon seit Monaten verschoben und abgebrochen wird. Ein Weltklasse-Spektakel, der Gipfel der Blamage. Coitus interruptus wegen einer kleinen Abordnung an Regierungsgegnern in roten T-Shirts, die in Kooperation mit 6.000 Polizisten im Stand-by-Modus den nie gewählten “demokratischen” Premierminister zur Lachnummer des Kontinents werden liessen.

Premierminister Abhisit ist nicht gerade eine harte Nuss. Der sanftmütige Feschak mit so feinen Manieren, und dem schönen Eton+Oxford-Englisch - überhaupt der Traum von einem Schwiegersohn - ist, landläufig gesprochen, ein Weichei. Im Unterschied zu anderen Politikern ist er zwar nicht geistesgestört und/oder neurotisch, dafür aber umso dümmer. Die unsägliche Hybris, die er unlängst bewiesen hat, qualifiziert aber durchaus für das Amt: Abhisit, der noch jede Wahl verloren hat bei der er angetreten ist, und dank eines aberwitzigen (und sicherlich nicht billigen) Parlamentssesselrückens an die Macht gekommen ist, fährt als ASEAN-Vorsitzender nach London und hält im Vorfeld der G-20-Vorbereitungen einen Vortrag an seiner Alma Mater in Oxford … zum Thema Demokratie. Hier nochmal langsam: zum Thema De-mo-kra-tie!

Selten so gelacht. Ausser gestern eben … seit Tagen ist freilich “alles unter Kontrolle” (mit Ausnahme der knapp 100.000 Rothemden und Taxifahrer die seit Wochen das Regierungsviertel lahmlegen), der Gipfel (3. Versuch) findet selbstverständlich statt - alles läuft nach Plan, überhaupt kein Problem - Abhisit war bestens vorbereitet, indem er im Morgengrauen einen bereits etwas abgestandenen Thai-Schmäh ausgepackt hat. Auf wundersam spontane Weise formiert sich um 07h00 morgens eine neue 200 Mann starke Bürgertruppe mit dem furchtbar einfallsreichen Namen “People love Pattaya”, Kostenpunkt schätzungsweise 500 Baht (10 EUR) pro Person plus ein blaues Hemd (die Frage ist nur, ob die Zivilpolizisten unter ihnen auch noch ein Zusatzhonorar bekamen …), Auftrag: Pattaya vor den roten Chaoten schützen. 

Mit “alles unter Kontrolle” meinte der Premier vermutlich das geplante spontane Rauchbomben-Scharmützel in sicherer Entfernung vom Tagungsort. Aber man braucht nicht gerade Sun Tzu studieren, um diese Regierung auszutricksen. Es reicht schon, die Zufahrtsstrassen von ein paar anderen Hotels zu sperren (damit die Gipfelteilnehmer “im Verkehr stecken”  - das passiert freilich auch Normalsterblichen immer wieder in Pattaya), und als Abschluss in der allgemeinen Konfusion ein paar Gipfelstürmer in das internationale Pressezentrum am Tagungsort vordringen zu lassen.

Game over - Gipfel abgebrochent, 16 Staats- und Regierungschefs und ihre Legionen von Beamten dürfen wieder heimfahren. Eh besser so … im Angesicht der Tatsache, dass die Asiaten auch immer mehr von der westlichen Wirtschafts-Stimulus-Krankheit erfasst werden, ist das beste was sie tun können ohnehin … nichts zu tun.  Denn bei so einem Gipfel brüstet sich im Moment ja jeder damit, wer den grösseren Stimulus zusammenkratzen kann. Und gerade diesbezüglich sind die Thais und ihre ASEAN-Nachbarn den Japanern ohnehin hoffnungslos unterlegen. Die Japaner haben freilich einen grossen Vorteil … sie stimulieren schon seit 17 Jahren erfolglos. Dysfunktionale Regierungen haben sie auch schon in etwa so lange. Diesbezüglich aber könnten sich so manche noch etwas von Thailand abschauen.

Es war übrigens nie das Ziel der Rothemden, den Gipfel zu stören. Oder vielleicht doch? Verschleierungstaktik wie bei den alten Chinesen? Wie auch immer … der Gipfel ist Geschichte, und der chinesische Premier Wen Jiabao hatte vermutlich wieder ein bisschen Zeit, zwischendurch ein paar Zeilen Adam Smith zu lesen …

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Steuerverschwendungsaktionismus

January 25, 2009 | 8:34 pm

Dieser Tage hat Herr Schnauder einen etwas mageren Kommentar zum hinterherhinkenden Krisen-Aktionismus der Österreichischen Regierung im “Standard” abgegeben. Das ist - quasi per definitionem - nichts Weltbewegendes, aber der fette Titel hat meine Aufmerksamkeit erregt: “Krisenbewältigung: Copy and Paste“.

Wirklich lässiger Titel - und wie sich herausstellt auch sehr zutreffend, denn der Aktionismus verläuft nach folgendem Muster: Zuerst ist einmal alles wunderbar und es besteht kein Anlaß zur Sorge (und schon gar nicht zum Handeln). Solange bis Deutschland etwas vormacht (Bankenpaket, Konjunkturpaket, Automobilverschrottungsprämie …), das dann hurtig sozusagen “kopiert und eingefügt” wird. (”Schutzimpfung” … ! …)

Das wahre Drama - und damit den Nagel auf den Kopf - hat freilich ein User-Kommentar getroffen, User “socke schorsch” titelt:

Copy and WASTE!

Ein Geniestreich. Und wahrlich … was für eine Verschwendung an Steuergeldern. Was für ein kompletter Unfug, einen Staatskomissär in eine dubiose Kleinbank zu setzen, statt den Konkursrichter …  was für eine Idiotie, Milliardenbeträge in eine komplett durchgeknallte Gemeindefinanziererbank zu pumpen, die jahrelang den Markt für Gemeindefinanzierungen aufs übelste ruiniert hat … was für … ach … was. 

Was rege ich mich überhaupt auf. Es ist offensichtlich weltweit kein Kraut gegen diesen Steuerverschwendungsaktionismus gewachsen, und nicht die geringste Einsicht in die wirklichen, ja durchaus monströsen Aussmaße dieser Krise - und ein völliges Unverständnis der Mechanismen dahinter. Da stehen wir vor einem Flächenbrand, und werfen dort und da einen grossen Wasserkübel ab - Trinkwasser, wohlgemerkt. Statt zu verstehen, wie, wo und warum es wirklich brennt, und in welche Richtung sich das Feuer ausbreiten wird.  Ich möchte fast sagen … statt die NOTWENDIGKEIT des Feuers zu verstehen!

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Österreich, Bankenhilfe, Deutschland, Konjunkturpaket, Weltwirtschaftskrise
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Der amerikanische Held

| 7:19 pm

Das nenne ich einen wahren Helden: Wie aus einer anderen, längst vergangenen Zeit tritt uns Captain Chesley B. “Sully” Sullenberger entgegen - der Pilot, den unlängst den US Airline Airways Air-Bus so selbstverständlich wie kunstvoll im Hudson River geparkt hat. Oder besser gesagt: der Gentleman mit der steifen Unterlippe und der stets korrekten Haltung tritt uns nicht entgegen, er entzieht sich uns förmlich!

Form ist die Grundsubstanz des wahren Helden: Eine knappe und präzise Durchsage (”Brace for impact”), eine souveräne Wasserung, 2 mal Inspektion durch die sinkende Kabine von der ersten bis zur letzten Reihe (”double-check”), und danach … untergetaucht. Kein Interview, kein Heldenlächeln, kein Kommentar, keine … Autobiographie ;)

Er hat die mehr als verdienten mehr 15-plus Minuten Ruhm einfach kommentarlos verstreichen lassen. Danke, Sully! Danke von einem frustrierten Nachrichtenkonsumenten. Aber jetzt, nach über einer Woche schweigenden Ruhms, jetzt bist Du mir doch noch vor die CNN-Kamera gekommen.

Danville, California - Bürgermeister-Ehrung vor dem Heimpublikum. Ehrensache.
Frau Captain übernimmt im Wesentlichen das Sprechen (”Für mich ist er hauptsächlich der Mann, der mir meinen Frühstückstee bringt”). Und dann, doch noch, der Höhepunkt: Sully tritt ans Mikrophon, sagt einmal gar nichts (ist etwas überwältigt, aber zeigt es nicht), und dann: Vielen Dank dass ihr alle gekommen seid. Ein reiner Zufall - diese Crew and diesem Tag mit diesem Flug. Im Namen der Crew darf er sagen, alle haben einfach ihren Job gemacht, so wie sie ihn gelernt haben.

Vielen Dank. (Ende der Durchsage). Heldentum anno 2009. Hut ab.

Video von Sully’s Homecoming auf CNN

 

 

 

 

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15 Minuten Ruhm, CNN, Ehrensache, Flugzeugabsturz, Heldentum, Hudson River, New York, Sully Sullenberger, US Airline
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Brace for impact.

January 20, 2009 | 12:05 pm

Black man given nation\'s worst jobUm es gleich zu sagen: Auch ich finde Herrn Obama recht sympathisch. Der letzte Staatschef, dessen Antritt ich bewusst erlebt habe und der mir auf Anhieb recht sympathisch erschien, hiess Gorbatschov. Und ich denke, die beiden Herren werden eines vor der Geschichte gemeinsam haben: Den Zerfall einer Supermacht unter ihrer Hand.

Ich habe den Verdacht, meine intuitive Sympathie kommt vielleicht gar davon, dass Supermächte für diesen Planeten schlicht ungesund sind. Und einem Ende der “pax americana” kann man eigentlich auch eher gelassen entgegensehen - es kann ja fast nur friedlicher werden.

Die US-Satirezeitschrift “The Onion” hat es in Ihrer Headline zum Ausgang der Wahlen sehr schön getroffen: Schwarzer hat den miesesten Job des Landes bekommen.

Das stimmt in vielerlei Hinsicht. Und ganz besonders vor dem Hintergrund der bevorstehenden wirtschaftlichen Bruchlandung. Ich sehe ehrlichgesagt nicht ein einziges Anzeichen dafür, dass Obama & Team dem Totalabsturz auch nur irgendetwas entgegesetzen könnten … ganz im Gegenteil: Summers und Geithner werden in enger Zusammenarbeit mit diesem tragisch-komischen Bernanke noch das letzte aus dem monetären Gaspedal herausholen und dann zum Todes-Stimulus ansetzen. In God we trust: alles, was in den 30er Jahren schon nicht funktioniert hat, und auch nicht im dauerdepressiven Japan seit den 90er Jahren - das alles soll nun unter wesentlich schwierigeren Ausgangsbedingungen in den USA funktionieren. Die USA der 30er Jahre hatten einen Aussenhandelsüberschuss und waren eine Gläubiger-Nation, ebenso wie Japan. Die USA anno 2009 gehen mit einem unvorstellbaren Schuldenberg in die Depression. Und mehr Schulden sollen nun die Krise lösen. Selbst mittlerweile völlig vertrottelte Ökonomen wie der regierende Preisträger Paul Krugman sprechen sich vermutlich jeden Abend vor dem Einschlafen vor: this time is different, this time is different, this time is different …

Bruchlandung unausweichlich

Diesem Obama haftet fürwahr etwas Messianisches an, das ist nicht zu leugnen. Aber irgendetwas ist da auch faul: Entweder ist er noch nicht so recht aufgewacht aus seinem Wahlkampf-Trip, oder er ist auch einer von diesen verdammt guten Lügnern. Ganz im Zeichen der nationalen Sicherheit, natürlich.

Wie auch immer: es wird ganz generell “aufgewacht werden”, das steht für mich ausser Zweifel. Und eher früher als später. Wenn es nach Herrn Celente, Amerika’s erfolgreichstem Nostradamus unserer Zeit geht, dann ist es schon in ein paar Wochen so weit. Und zwar sehr weit: Sein Trends Research Institute spricht unter dem Titel “The Collapse of 09″ gar von bürgerkriegsartigen Zuständen und letztendlich dem Zerfall der USA.

Aber man muss freilich nicht Hellseher sein - oft reicht es schon, mit einem kühnen und kühlen Blick die Fakten und Konsequenzen richtig einzuschätzen. Und sie dann auch beim Namen nennen. So etwa, wie das vor kurzem der “Held vom Hudson River” getan hat. Brace for impact - Macht euch auf den Aufprall gefasst. Nicht mehr und nicht weniger waren die trockenen Worte des Captain an die Passagiere, ein paar Minuten vor der virtuosen Wasserung.

Es liesse sich nicht ehrlicher und zutreffender formulieren.

In diesem Sinne:
President Obama, brace for impact.

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Angelobung, Collapse of 09, Flugzeugabsturz, Gerald Celente, Hudson River, Lawrence Summers, Nostradamus, Paul Krugman, President Obama, Timothy Geithner, Trends Research Institute, Weltwirtschaftskrise
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Warten auf Godot

November 28, 2008 | 4:46 pm

In Samuel Beckett’s Klassiker des “absurden Theaters” der Pariser 50er-Jahre sitzen zwei Landstreicher und ein heruntergekommener Aristokrat zwei Akte lang herum und warten auf die Ankunft eines gewissen Godot. Keiner weiss, wer das sein soll, und warum man überhaupt auf ihn wartet. 

Absurdes Theater wird nun schon seit zwei Jahren in Bangkok gegeben. Auch hier warten die Akteure vergeblich. Der undefinierte und undefinierbare Erlöser wird nicht kommen. Während dessen wartet man eben aufeinander. 

Der Premier-Minister wartet darauf, dass der Armee-General putscht. Der Armee-General wartet darauf, dass ihn der PM entlässt. Die Campierer auf den Flughäfen und im Regierungsgebäude warten darauf, dass der PM zurücktritt. Die Gerichte warten darauf, dass sie die regierenden Parteien auflösen. Die Polizei wartet auf einen Befehl, den sie dann nicht ausführt. Und irgendwo in der Ferne wartet ein exilierter Ex-Premier, gleichzeitig Messias und Antichrist der thailändischen Politik, auf seine eigene Rückkehr. Dessen Anhänger warten darauf, dass er endlich “auspackt”, seine Gegner dass er endgültig einpackt.

Und der König schlussendlich wartet auf Besserung. Seine eigene gesundheitliche … denn Gerüchten zu Folge bleibt dem greisen Vater der Nation der letzte Akt in diesem Theater schon mehr oder weniger erspart.

Nicht so freilich den tausenden Fluggästen: ihnen bleibt, en attendant, aber auch nichts erspart.
Im Unterschied zum thailändischen Wahlvolk jedoch haben die Fluggäste zumindest die Hoffnung, dem Spektakel doch noch irgendwann zu entkommen, am Check-Out-Schalter.

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In god we tru$t?

November 24, 2008 | 8:36 am

Wir befinden uns im Jahr 2008 n.Chr. und die Weltfinanz-cum-Wirtschaftskrise führt uns täglich vor Augen, wie eng die Begriffe Kredit und Vertrauen miteinander verknüpft sind. Die unendliche Komplexheit unseres Sprachschatzes verführt ja dazu, dass wir ob der Vielfalt von Wörtern und Begriffen oft die grundlegendsten Zusammenhänge vergessen - wie eben jene zwischen Kredit und Vertrauen. Die Altphilologen haben da gemeinhin ein höheres Bewusstsein für diese Bedeutungszusammenhänge, und prompt sagt uns der Lateiner: creditum, „das auf Treu und Glauben Anvertraute“ …

Also machen wir doch einen kleinen Versuch: sagen wir mal, Kredit und Vertrauen wären der Einfachkeit halber ein und dasselbe. Folglich befänden wir uns also mitten in einer “Weltvertrauenskrise“. Mit diesem Begriff im Hinterkopf erlauben wir uns nun einen simplistischen Blick in die Weltfinanzmärkte, als mitten hinein in das Blutbad, und stellen fest: niemand vertraut niemandem. Nicht enden wollendes Misstrauen am ganzen Finanzmarkt. Am ganzen Finanzmarkt?

Nein, ein von unbeugsamen Bankiers bevölkertes Imperium hört nicht auf, dem Misstrauen Widerstand zu leisten.

Wer hat noch etwas Vertrauen übrig?

Während - grob gesprochen - so ziemlich alles Papier und anderweitig Verbrieftes samt deren (roh-)stofflichen Grundlagen in einer deflationären Spirale nun schon seit Monaten in Richtung Süden fällt, fliesst das letzte Vertrauen, das noch auszumachen ist, offensichtlich in folgende, miteinander verknüpfte Spielfelder: 

1. Den US-Dollar
2. Die amerikanischen Staatsschuldverschreibungen
3. Das amerikanische Budgetdefizit

Das amerikanische Budgetdefizit geht im Zuge der geballten sogenannten “Hilfsmassnahmen” vom Stadium “astronomisch” in eine - sagen wir - “galaktische Phase”, und wird nur mehr von der (kurzfristigen) Bilanz des Federal Reserve Systems in den Schatten gestellt. Der Dollar aber befindet sich so ziemlich gegenüber allem (ausser dem japanischen Yen) auf einem manischen Höhenflug, und die Government Bonds gehen weg wie die warmen Semmeln, und zwar in einem Ausmaß, dass zum Beispiel der Zinsertrag der 3-Monats-Ausgabe (3-month T-Bill) inzwischen schon bei üppigen 0,02% liegt, wogegen den “privaten” Anleihen-Schrott, der nun schon über 20% abwerfen würde, weiterhin niemand anrührt. Das beschäftigt mittlerweile auch schon den frischgebackenen Ökonomie-Weltmeister Paul Krugman, der ja ansonsten eher der Gruppe der spendierfreudigen Neo-Keynesianer zuzurechnen ist, und verleitet ihn in seiner New York Times-Kolumne zu einer ebenso präzisen wir lapidaren Aussage: “This is an economic emergency.” 

The biggest gamble of all …

Ich vermute es gilt immer noch die alte Investor-Regel von der “Flucht in die Sicherheit” - sprich wenn gar nichts mehr geht, dann kaufen wir das letzte, einzig “sichere” Papier von allen - die amerikanische Staatsschuld? Oder kaufen die Chinesen & Compagnie T-Bills und Dollar-Devisen schon “at gunpoint”? (Richtige Zyniker meinen ja, dass das einzige, was den Dollar als internationale Leitwährung stützt, ein Atomwaffenarsenal ist …)

Ein Grossteil der T-Bill-Abonennten und Devisen-Tauscher scheint tatsächlich in Asien beheimatet zu sein. Die Asiaten sind ja streng genommen nicht besonders christlich, doch das “Gottvertrauen”, dass sie nun (immer noch) an den Tag legen, ist schon durchaus beängstigend. Wer sollte denn eigentlich noch auf Gott vertrauen ausser den amerikanischen Notenbankiers, die den Stehsatz “In God we trust” täglich auf frische Dollarnoten drucken? Ist das schon der letzte Strohhalm, an den sich die internationalen Investoren klammern? Ist das nicht … eine Illusion?

Ich glaube, selbst der neu erwählte Heilsbringer der angeschlagenen Supermacht, Herr Obama, hat schon seine Zweifel ob das noch lange gutgehen kann: in einem genialen Schachzug hat er den Chef der New Yorker Fed zu seinem Finanzminister designiert. Timothy Geithner ist umsatzmässig quasi nicht nur der grösste Staatsschuldenhändler, sondern in seinem Lebenslauf stehen noch ganz andere Qualitäten: er hat an führender Position, und als Vertreter der Gläubiger, die Staatskrisen und Staatsbankrotte der jüngeren Geschichte abgewickelt: jene von Brasilien, Indonesien, Mexico, Südkorea und Thailand. Er ist also ein ausgewiesener Staats-”Bailout”-Experte. Das könnte - gemeinsam mit seinen Sprachkenntnissen in Japanisch und Chinesisch - dann durchaus von Vorteil sein. Wenn er nämlich erste Reihe fussfrei die Schuldner-Seite solcher Verhandlungen kennen lernen wird.

Aber so weit sind wir freilich noch nicht. Doch es wird weiter fieberhaft und mit global vereinten Kräften am Staatsbankrott der Vereinigten Staaten gearbeitet. Denn wohin sollte ein “mehr vom selben”, also mehr Schulden inmitten einer Vertrauens- und Schuldenkrise sonst führen? Das frische Geld ist leider kein Zaubertrank, sondern schwer toxisch beim Zustand des amerikanischen Patienten. Und wenn es dann so sein wird, dann möge keiner den ersten Stein werfen und vom Ende des Kapitalismus reden. Denn ein Staatsbankrott des grössten Schuldners der Welt wäre ein starkes Zeichen dafür, dass der Kapitalismus doch noch funktioniert. Aber eigentlich leben wir ja in einem durch und durch merkantilistischen System mit Nuklearwaffen … es bleibt also spannend, der Ausgang ist ungewiss, und die Einsätze am Spieltisch sind alarmierend.

Fest steht in dieser Situation nur eines: Den Zaubertrank, den gibt es leider nur in einem kleinen gallischen Dorf …

 

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Bonds, Dollar, Finanzkrise, Kredit, Obama, Staatsschuldverschreibungen, T-Bill, Timothy Geithner, USA, Vertrauen, Weltwirtschaftskrise
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Die Staatsschuldenuhr

October 10, 2008 | 8:44 am

Ist das schön. Die Amerikaner überraschen mich doch immer wieder in jederlei Hinsicht.

CNN, zur Abwechslung einmal in aller Trockenheit: “U.S. debt overpowers National Debt Clock“.

Seymour Durst, ein mittlerweile verstorbener New Yorker Immobilien Developer, hatte diese Uhr 1989 installieren lassen, als die US Staatsschulden ca. 2,7 Billionen Dollar betrugen.

Nun gingen der Schuldenuhr die Ziffern aus: Seit Verabschiedung des Paulson-Plans ist die Staatsverschuldung auf über 10 Billionen Dollar angewachsen und das Dollar-Zeichen vor der Summe musste der zusätzlich benötigten Dezimalstelle weichen.

Zuvor hatte er in den Achtziger Jahren Glückwunschkarten an Kongressabgeordnete und Senatoren verschickt, auf denen “Happy New Year - Ihr persönlicher Anteil an der Staatsschuld beträgt so und so viel …” zu lesen war.

Hurst starb 1995, die Ära Dublya Bush/Greenspan und Bush/Paulson/Bernanke ist ihm also er”spart” geblieben, seinen nationalen Schuldenanteil trägt nun sein Sohn und Nachfolger. Dieser kann sich durchaus in Sicherheit wiegen, dass auch dereinst Enkel und Urenkel nicht leer ausgehen werden.

Vieles, wenn nicht das meiste, was in den Medien dieser Tage zur weltweiten Finanzkrise zu lesen ist, kann ich ja kaum zu  ertragen - alle spielen sie das grosse “Blame Game”: Gierige Investmentbanker, Banken und Finanzsektor überhaupt treiben uns in den Ruin … Regierungen und Nationalbanken nun die grossen Retter in der Not. Bye bye Marktwirtschaft. 

Und kaum jemand scheint zu verstehen, dass dieser ganze aufgeblähte Finanzsektor in den letzten 60 Jahren ja in erster Linie zum Erfüllungsgehilfen einer noch aufgeblähteren Staatsmaschinerie geworden ist, die auf Biegen und Brechen ALLES unternimmt um das Funktionieren von Märkten zu verhindern! Wenn Banken Jahrzente lang nicht in Konkurs gehen DÜRFEN, und statt dessen immer stärker an die Muttermilch der Zentralbanken genommen werden, ohne die sie nicht lebensfähig sind, und weiter fleissig Staatsschulden und frisches Geld in die Welt bringen, ohne die wiederum die Regierungen nicht überlebensfähig sind, dann ist diese ganze Branche dazu verdammt so gross und so marod zu werden, dass am Ende dieses Kapitels auch der Staat nicht mehr den Einsturz des Gebäudes verhindern kann.

Das sind monströse Metastasen im Endstadium, die sich in einem “freien Markt”, wo laufend bereinigt und aussortiert wird, nie hätten bilden können. Ich bin zuversichtlich, dass sich der Markt auch diesmal durchsetzt - aber je länger man das verhindert, desto grösser der Knall.

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Bush, Finanzkrise, freier Markt, Greenspan, Marktwirtschaft, National Debt Clock, New York, Paulson, Staatsschulden, Times Square
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Bangkok Dangerous

October 9, 2008 | 5:28 pm

Bloody Tuesday in Bangkok: 437 Verletzte, 2 Tote - Mob gegen Polizei. Ich hab den ganzen Dienstag lang nichts davon mitbekommen, weil ich nämlich ironischerweise den ganzen Dienstag lang … in Bangkok war. Bis ich am Abend dann die Zeitungen konsumiert habe.

Es ist schlimm, es ist grotesk. Ein dubioser Mob, der seit 2 Monaten das Regierungsgebäude besetzt und am Dienstag das Parlament stürmt, um die mit fast absoluter Mehrheit gewählte “Volkspartei” PPP zu stürzen, und die Verfassung gleich mit, moralisch unterstützt von der oppositionellen “Democrat Party”, die auch immer offener für die Abschaffung der Demokratie eintritt, und von den Medien, und von Thai Airways-Piloten, die PPP-Abgeordnete aus dem Flugzeug werfen, von Ärzten die die Behandlung von verwundeten Polizisten verweigern, sowie von Höchstrichtern, die damit beschäftigt sind, mittlerweile verhaftete Mob-Anführer wieder reinzuwaschen.

I could go on and on and on. Ich bin auch kein Freund dieser Regierung, noch weniger halte ich von Regierungen und Nationalstaaten überhaupt … - aber ein gekaufter Mob für politische Machtspiele, das ist auch keine Alternative.

In Wahrheit ist es mir zuwieder, überhaupt noch darüber nachzudenken.

Vielleicht sollte ich aufhören, Zeitungen zu lesen.

Es ist doch so schön ruhig und friedlich hier in unserem Garten.
Ich werde mir “Bangkok Dangerous” doch besser demnächst im Kino anschaun. 

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Deutsch, Thailand
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Ausschreitungen, Bangkok, Krise, PAD, PPP, Thailand
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Der Paulson Plan

September 26, 2008 | 8:11 pm

Henry Paulson mit chinesischen FreundenFrage: wie spart man 200 Millionen Dollar Einkommenssteuer?

Oh boy, it’s so simple. Man braucht nur von den besten lernen.
Hier also ein kleines Tutorial, inspiriert von Henry Paulson, dem Mann der Stunde - Mister Bailout, dem Retter der Weltwirtschaft!

2 Schrittte reichen aus, um 200 Millionen Dollar Steuern zu sparen:

Schritt 1: Ein guter Job
Um so viel Einkommensteuer sparen zu können, benötigt man natürlich ein ordentliches Einkommen. Wie ja nun hinlänglich bekannt ist, eignet sich dafür zum Beispiel eine New Yorker Investmentbank ganz gut. Am besten gleich dort, wo immer schon “die besten der besten” arbeiten. In etwa 7 Jahre als Chef von “Goldman Sachs” sind ausreichend, das macht in etwa 500-700 Millionen Dollar. Hauptsächlich in Firmenaktion und Aktienoptionen, versteht sich. Denn solange die Papiere nicht veräussert werden (und noch etwas wert sind), solange fällt auch keine Steuer an.

Schritt 2: Ein noch besserer Job!
Nun kommt der clevere Teil: Wie wird man die Papiere los, ohne dann 200 Millionen Dollar Steuern abzuliefern? Man wird Politiker! Am einfachsten ist es, man wird gleich Finanzminister. Es ist natürlich “unvereinbar”, als oberster Herausgeber von Staatsschuldverschreibungen zum Beispiel Aktien an einer Wall Street Investmentbank zu halten. Das liegt auf der Hand. Nachdem aber auch die Regierung ein grosses Interesse daran hat, dass nur die “besten der besten” in ihren Reihen zum Wohle der Nation arbeiten, gibt es daher ein nettes kleines Gesetz, dass die erzwungene Veräusserung von solchen Wertpapieren für diese selbstlosen Patrioten ein wenig “abfedert”: Nämlich zu 100% STEUERFREI.

So einfach ist das!

Henry Paulson junior, ein bescheidener, hart arbeitender und naturverbundener Junge vom Land, zeigt wie’s geht. Eigentlich wollte er ja Parc Ranger werden, doch wie es der Teufel so will wurde er zuerst Politiker, dann Investmentbanker. CEO von Goldman Sachs (1999-2006), der einflussreichsten Investmentbank der Welt, ist schon eine tolle Sache. Und er hat seinen Job auch toll gemacht! 44 Milliarden Dollar Umsatz hat er der Bank alleine mit Immobilienhypotheken verschafft. Der Mann ist also jeden der 500 Millionen Bonus-Dollar wert, das steht ganz ausser Frage - denn er war auch noch so clever, Immobilienderivate mit entsprechenden Shortselling-Positionen abzusichern. Ich bin mir sicher, ein Blick auf den inflationsbereinigten Hauspreischart anno 2006 hat ihn zu dieser weisen Voraussicht bekehrt!

Und Henry Paulson ist so gut, dass er es sich sogar noch verbessern konnte. Im Moment arbeitet er zum Beispiel gerade daran, sich vom US Congress einen 700 Mrd.-Dollarscheck ausstellen zu lassen, mit dem er schnell, ganz allein ohne zu fragen und - jetzt kommt’s erst - ohne sich später rechtfertigen zu müssen an der Wall Street notleidende Banker unterstützen kann.

Sein ehemaliger Arbeitgeber dankt es ihm bestimmt - schliesslich ist Goldman Sachs, im Gegensatz zu den jüngst verblichenen und aufgekauften Mitbewerbern, dank Paulson’s Umsicht als CEO ja nocheinmal mit einem blauen Auge davongekommen. Die Firma dankt es ihm doppelt und dreifach - denn inzwischen ist auf Paulson’s Initiative Shortselling auf die Aktien von Goldman Sachs verboten - und wenn sein Plan, mit 700 Steuerzahlermilliarden noch den Rest der inzwischen so giftigen Immobilienderivate kurz und schmerzlos zu entsorgen, dann, ja dann können seine ehemaligen Kollegen gemeinsam mit dem Orakel der Wallstreet, also mit Gott selbst, ganz kräftig die Korken knallen lassen!

Gott, a.k.a. Warren Buffet, der neue Miteigentümer, wird bestimmt in seinem Urin spüren, wann der Zeitpunkt kommt, auf den kollabierenden Dollar zu wetten. Und wenn nicht - Henry Paulson sollte es ja sogar noch besser wissen. Denn im Unterschied zu Gott kann er ja heimlich unter den gigantischen Tisch schauen, unter den gerade die kollektiven Verfehlungen von White House, Capitol Hill und Wall Street in einem Aufwischen gekehrt werden. Sollte er dann noch im Amt sein …

PS: Ich finde übrigens überhaupt nicht, dass die sprichwörtliche “Gier” der Banker so verwerflich ist. Im Grunde finden an der Wall Street ja jeden Tag Wahlen statt. Ein Problem, und zwar ein grosses Problem, sind allerdings die Kollegen in Washington, die das Wahlergebnis nicht akzeptieren wollen!

Quellen und weitere Informationen:

http://en.wikipedia.org/wiki/Henry_Paulson
http://www.economist.com/books/displayStory.cfm?source=hptextfeature&story_id=12295116
http://www.huffingtonpost.com/robyn-o/goldmans-revolving-door-e_b_129103.html
http://www.nytimes.com/2008/07/27/business/economy/27hank.html?_r=1&adxnnl=1&pagewanted=4&adxnnlx=1222423493-JPIODyyFEIpKYlXvwjIUqg
http://business.timesonline.co.uk/tol/business/economics/article4794879.ece 

 

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Ökonomie
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Credit Crunch, Goldman Sachs, Henry Paulson, Paulson Plan, Subprime Crisis, Treasury, US, US Dollar
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