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Hier geht’s um die Wurst

August 18, 2008 | 5:41 pm

Es ist nun bald ein Jahr her, dass ich mich auf den südostasiatischen Aussenposten zurückgezogen habe. Immer noch höre und lese ich von Freunden und Bekannten “daheim”, wie furchtbar exotisch hier alles sein müsse … und was ich eigentlich den ganzen schönen Tag hier sonst noch mache, ausser in der Sonne zu liegen. Sprich: na dem muss aber fad sein …

Ha! Weit gefehlt - und schnell korrigiert: Exotisch ist es dort wo man nicht lebt, in die Sonne geht, wo es Sonne im Überfluss gibt, nur der, der einen kompletten Kall hat (also z.B. einer, der sich in Österreich in den Regen legen würde …), und einmal ganz abgesehen davon, dass ich so ziemlich jeden Tag von früh bis abend arbeite wie jeder andere auch: die wahren Abenteuer spielen sich ohnehin im Kopf ab.

Also hier ein Beispiel: Während meine Frau schon seit in der Früh an einem neuen Käfig mit integrierter Trink-Anlage für unseren Hasen bastelt, damit der neben dem Vogelgehege mehr Platz hat (und der Hund einen besseren Zugang …), und unsere Haushälterin grad wieder mal das komplette Schlafzimmer umstellt, sitze ich also seit etwa 7 Stunden vor meinem Computer und versuche, für einen Kunden vor Ort eine ausgetüftelte relationale Datenbank zu modellieren. Das ist natürlich fremdes Territorium für mich als Grafiker, aber so fremd auch wieder nicht - denn das Strukturieren von Information nach logischen Kriterien liegt mir ja eigentlich. Soweit das Exotische an meinem heutigen Tag.

Aber dann wird es plötzlich wirklich spannend: nachdem einer meiner besten Freunde in Wien mich (und sich) per E-Mail mit seiner Kandidatur zur Nationalratswahl langweilt, wird es mir kurz so richtig langweilig und ich surfe recht planlos auf Christoph Chorherr’s Blog vorbei, quasi auf der Suche nach einem “echten” Politiker, und stosse dort auf einen Hinweis zu einem brillianten Artikel im altehrwürdigen “Atlantic Monthly”, in dem es darum geht, wie sich das Internet (und der Gebrauch von Medien im allgemeinen) auf unser Denken schlagen. Und wie sich Nietzsche’s Schreibmaschine auf sein Schreiben geschlagen hat. DAS ist ein Thema. Nicht der kranke Wahlkampf daheim. 

Einschub: Das ist natürlich auch ein Thema für das Buch, das ich irgendwann demnächst schreiben werde (don’t we all?). Aber ich denke mir schon die längste Zeit, ich kann mein Buch noch nicht schreiben bevor ich nicht zumindest alle Filme von David Lynch gesehen habe. Und jetzt setzt das Finale ein: auf eben jener Website des Atlantic stosse ich daher fast gezwungenermassen auf ein Interview mit David Lynch, der auch ein grossartiger Redner ist. Das Interview ist unterbrochen durch zahlreiche Einblendungen von Filmszenen - und bei Sekunde 57 werde ich kurz eins mit dem gesamten Universum: Meine Lieblingsszene aus der grossartigsten TV-Unterhaltung aller Zeiten. Gordon Cole fährt zu Special Agent Cooper nach Twin Peaks und erklärt ihm, was ihn an der Wurst interessiert.

Diese ganze Anwesenheit Gordon’s (unvergesslich dargestellt von David Lynch himself!) ist eine der grotesken Spitzen in Twin Peaks schlechthin. Für alle, die Twin Peaks nicht kennen und/oder lieben: Gordon ist der Vorgesetzte von FBI-Agent Cooper, und er hat ein Problem mit seinem Gehör und schreit daher noch lauter als die anderen mit ihm. In dieser Szene versucht Cooper vergeblich, ihm die interessanten Zusammenhänge in seinem “Fall” (um es einfach auszudrücken) näherzubringen:

Cooper:  ”Gordon, there’s some curious linkages here.”
Gordon:  ”The word linkage reminds me of sausage. Never cared much for the links. preferred the patties. But breakfast is a real good idea!”

Grossartig. Grossartiger Tag. Darum geht’s. 
And now … dinner is a real good idea. Und danach werde ich es mir mit meiner Frau gemütlich machen.

Es lebe das Landleben - es ist voller Inspiration und im wesentlichen geht’s hier um die wesentlichen Dinge! ;)

 


 

 

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Kategorien
Deutsch, Leben
Tags
Cooper, Das Wesentliche, David Lynch, Gordon, The Atlantic, TV, Twin Peaks, Wurst
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Naturgemäß beneide ich Dich!

June 2, 2008 | 2:04 pm

The beach in my glassesUnlängst schrieb mir ein Freund per Skype folgende denkwürdige Worte: “Naturgemäß beneide ich Dich.” Nachdem ich nun schon bald ein Jahr in der ewigen Sonne lebe höre ich soetwas natürlich gelegentlich. Aber in dieser Direktheit und eleganten Thomas-Bernhard-Formulierung höre ich es nicht alle Tage, und schon gar nicht aus dem Mund eines Bankers. Grund genug, über die Naturgemässheit des Beneidens von Auswanderern nachzudenken.

Warum beneidet man einen Auswanderer? Ist der sprichwörtliche Auswanderer nicht jemand, der aus jahrelang angehäuftem Frust und generellem ennui heraus alles hinschmeisst und irgendwo an irgendeinen sonnigen Strand flüchtet und das geniesst, was von seinem Leben noch übrig ist? Beneidet man ihn gerade deshalb, weil man glaubt er habe zumindest das schlimmste schon hinter sich gebracht? Oder darum, weil er den ganzen Tag am Strand sitzt und seine Füsse ins Meer hält? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Es unendlich viele individuelle Gründe dafür, auszuwandern oder eben nicht auszuwandern. Letztlich ist alles eine Frage der individuellen Lebensgeschichte.

Die Sache mit dem Neid ist wohl ein Fall von Vorurteil versus latenten Sehnsüchten. Womit ich nun bei meiner eigenen Erfahrung wäre.

Was ist der Kern der Sache?

Einser-Frage: Was treibst du so den ganzen Tag? Geniesst dein Leben? Antwort: Das gleiche wie vorher. Arbeite, esse, schlafe, verbringe Zeit mit meiner Frau, spiele mit dem Hund und - ja - geniesse mein Leben! Mein Leben “davor” und jetzt unterscheidet sich im wesentlichen in drei Punkten: Erstens Klima, zweitens Wetter, und drittens Temperatur.

Alles andere? same same! 
Basically. 

 

 

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Kategorien
Auswandern, Leben, Thailand
Tags
Arbeit, Auswandern, Leben, Thailand
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