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Bangkok Dangerous

October 9, 2008 | 5:28 pm

Bloody Tuesday in Bangkok: 437 Verletzte, 2 Tote - Mob gegen Polizei. Ich hab den ganzen Dienstag lang nichts davon mitbekommen, weil ich nämlich ironischerweise den ganzen Dienstag lang … in Bangkok war. Bis ich am Abend dann die Zeitungen konsumiert habe.

Es ist schlimm, es ist grotesk. Ein dubioser Mob, der seit 2 Monaten das Regierungsgebäude besetzt und am Dienstag das Parlament stürmt, um die mit fast absoluter Mehrheit gewählte “Volkspartei” PPP zu stürzen, und die Verfassung gleich mit, moralisch unterstützt von der oppositionellen “Democrat Party”, die auch immer offener für die Abschaffung der Demokratie eintritt, und von den Medien, und von Thai Airways-Piloten, die PPP-Abgeordnete aus dem Flugzeug werfen, von Ärzten die die Behandlung von verwundeten Polizisten verweigern, sowie von Höchstrichtern, die damit beschäftigt sind, mittlerweile verhaftete Mob-Anführer wieder reinzuwaschen.

I could go on and on and on. Ich bin auch kein Freund dieser Regierung, noch weniger halte ich von Regierungen und Nationalstaaten überhaupt … - aber ein gekaufter Mob für politische Machtspiele, das ist auch keine Alternative.

In Wahrheit ist es mir zuwieder, überhaupt noch darüber nachzudenken.

Vielleicht sollte ich aufhören, Zeitungen zu lesen.

Es ist doch so schön ruhig und friedlich hier in unserem Garten.
Ich werde mir “Bangkok Dangerous” doch besser demnächst im Kino anschaun. 

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Ausschreitungen, Bangkok, Krise, PAD, PPP, Thailand
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Die Golfschlägerrevolte

September 2, 2008 | 10:39 pm

Golfschläger statt BambusprügelDie Lage in Bangkok’s Regierungsviertel hat sich heute im Laufe des Tages zwar nicht unbedingt beruhigt, aber zumindest ein wenig im Chaos stabilisiert. Abgesehen von der Tatsache, dass die Wahlkommission nach monatelangen Erhebungen ausgerechnet heute die Auflösung der Regierungspartei wegen Stimmenkaufs eines Abgeordneten beantragt hat. So ein Zufall aber auch …. - was an der ganzen Causa wirklich bedenklich ist, aber hier im Land kaum jemand zu begreifen scheint, ist dass (abgesehen von der Exekutive) auch die Justiz nicht funktioniert. Die Unabhängigkeit der Gerichte war kaum ein Thema in den grossen Medien, und obwohl das ganze wirklich schon burmesische Züge annimmt, scheint es auch heute noch keinen zu stören: Vorige Woche z.B. gab es einen Räumungsbefehl gegen die Demonstranten im Regierungsgebäude, der von der Polizei nicht exekutiert wurde. Vor ein paar Tagen wurde das Urteil von einem anderen Gericht aufgehoben - aus Mangel an Beweisen! Die Polizei hat mehrere Tausend Schlag- und Stichbehelfe - mehrheitlich Golfschäger im Regierungsgebäude sichergestellt. (Die Golfschläger sind ein untrügliches Zeichen, dass sich Thailand ökonomisch durchaus entwickelt ;). Bloss konnte nicht eindeutig festgestellt werden, dass dies die Waffen der Demonstranten waren. Tja …

Keep smiling
Ich habe heute mit ein paar Thais in meiner Umgebung gesprochen, und war gar etwas verblüfft, mit welchem Humor und mit welcher Gelassenheit sie auf die Ereignisse reagieren. Dabei hilft natürlich, dass die Thais generell nicht sehr talentiert oder willens sind, in die Zukunft zu denken: Wie das ganze morgen bedrohlicherweise eskalieren könnte, interessiert heute traditionell keinen. Dafür gehen die Emotionen im “jetzt” ungleich tiefer. Und rein emotional, habe ich den Eindruck, wenden sich die Menschen (sowie auch einige Leitartikler) nun schön langsam ab von den Regierungsgegnern. Vor ein paar Tagen noch hegten zum Beispiel meine Frau, sowie viele Ihrer Freunde und Bekannten durchaus Sympathien für die PAD, aus der simplen Rechnung heraus: Wer gegen die korrupte Regierung ist, der ist automatisch gut. Hintergründe? Ziele? Wozu … 

Nach dem ersten Toten heute nacht ist aber jetzt Schluss mit lustig, und nun sind auf einmal viele zornig auf die PAD, und aus den “Rettern” werden nun schön langsam das was sie in Wahrheit sind: eine Bande von kriminellen Volksverhetzern. Inzwischen hat sich selbst der Anführer der (legalen) parlamentarischen Opposition von der PAD distanziert, obwohl einige Abgeordnete seiner Partei ganz offen mit der PAD kokettiert haben.

Der lange Schatten Thaksins
Wer sich für die Hintergründe der ganzen Aktion(en) interessiert, der braucht einfach nur die Biographien der beiden PAD-Anführer Sondhi Limthongkul und Major General Chamlong Srimuang durchlesen. Ich habe das Experiment mit meiner Frau durchgeführt - und ihr war sofort sonnenklar, dass diese beiden frustrierten Desperados nichts anderes als eine persönliche Vendetta gegen ihren ehemaligen Freund und Mitstreiter Thaksin Shinawatra im Sinn haben. Und damit den Sturz seiner “Marionette”, des derzeitigen Noch-Premiers.

Den mag sie freilich auch nicht - er trägt in Thailand die Beinahmen “Big Mouth” bzw. “Bad Mouth” - ein alter Sturschädel, nicht zimperlich in seiner Wortwahl. Aber die Leute haben ihn, den Fernsehkoch und ex-Hardliner mit über 40 Prozent gewählt. Die Sache mit dem Stimmenkauf ist natürlich hoch wahrscheinlich, aber selbst der Oppositionsführer hat heute zugegeben, dass er auch ohne gekaufte Stimmen gewonnen hätte. Das ist thailändische Demokratie - denn die Leute sind ohnehin schlau genug, sich ihre Stimme gleichzeitig von mehreren Parteien abkaufen zu lassen, und dann erst zu wählen, wen sie wollen …

Spannend wird es freilich, ob die Menschen tatsächlich eine PAD und deren Ziele wollen, die sie nun mit dem Begriff “New Politics” zusammenfassen. In einem Wort: ein Ständestaat. Ein Parlament, das zu einem Drittel gewählt und zum zwei Dritteln nach ständischen Kriterien königlich ernannt wird. Thailand sei nicht reif für eine Demokratie, sagen die PAD-Anführer.

Der König schweigt. Hoffentlich ist er noch bei guter Gesundheit. Long live the King!

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Ausnahmezustand

| 12:44 pm

Jetzt ist es soweit … - seit heute früh gilt in Bangkok ein temporärer Ausnahmezustand, nachdem in der Nacht Gegenprotestanten mit den Protestanten der People’s Alliance for Democracy aneinandergeraten sind und ein erstes Todesopfer, sowie Dutzende Verletzte zu beklagen sind. Gestern wurden den Polizisten, die das seit einer Woche besetzte Regierungsgebäude umstellen, sogar noch die Schlagstöcke abgenommen - offiziell aus Angst vor Zusammenstössen zwischen Polizei und Demonstranten. Nun versucht die Armee, die Situation unter Kontrolle zu bringen.

Unter Kontrolle ist freilich gar nichts - der Premierminister, dessen Rücktritt das vorrangige Ziel der Demonstranten ist, tritt nicht zurück (”Ich habe nichts falsch gemacht”), und steht seit Tagen zwischen der Entscheidung, Stärke zu zeigen und den Demonstranten mit einer gewaltsamen Auflösung der Besetzung in die Hände zu spielen, oder Schwäche zu zeigen und eben z.B. der Polizei auch noch die Schlagstöcke abzunehmen. Die “friedlichen” Demonstranten sind im übrigen hauptsächlich mit tausenden Golfschlägern (!) bewaffnet … und haben sich, wie in einem Stellungskrieg, im Regierungsgebäude verbarrikadiert. 

Wer die Chronologie der Ereignisse mitverfolgen will, findet hier die Berichterstattung:

- Bangkok Post, die relativ liberale englischsprachige Tageszeitung mit einer Sonderberichterstattung
- The Nation, ein eher rechtskonservatives englischsprachiges Blatt 
- Schoenes-Thailand.de - ein kritischer, äusserst umfassender und detailreicher Thailand-Blog in deutscher Sprache

Ich werde heute etwas später noch etwas zu den Hintergründen schreiben, sowie zum “Stimmungsumschwung”, der gerade zu beobachten ist. 

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It is a mess.

August 30, 2008 | 4:39 pm

“Back to normal” waren die Worte, die der thailändische PM Samak vor einen halben Jahr, wenige Tage nach seiner Angelobung, in einem englischsprachigen Interview immer wieder gebraucht hatte. Back to normal ist quasi der running gag in der thailändischen Politik schlechthin. Politische Krisen sind in Thailand wesentlich häufiger, schärfer und dynamischer als Konjunkturzyklen. Die aktuelle Krise begann vor ca. 3 Jahren mit dem Anfang vom Ende des Premierministers Taksin, der sich vor wenigen Tagen nun endgültig entschieden hat, im Londoner Exil zu bleiben.

Im April 2006, wenige Wochen vor einer vorgezogenen Parlamentswahl, in der sich Taksin in seinem Mandat bestätigen wollte - baten der damalige Oppositionsführer sowie die Führung der neugegründeten “People’s Alliance for Democracy”, PAD, seine Majestät den König einen neuen Premierminister einzusetzen. In einer seltenen TV-Ansprache vor Höchstrichtern sagte der König daraufhin folgendes: “Asking for a Royally-appointed prime minister is undemocratic. It is, pardon me, a mess. It is irrational”. Taksin gewann die Wahl wie erwartet, nach einer königlichen Audienz kündigte er seinen baldigen Rückzug aus der Politik an, und nicht lange später zog die Armee mit eine coup d’etat seinen Rückzug vor.

Normal irrational
Leider bin ich der thailändischen Sprache noch nicht mächtig … - ich habe also noch eine dunkle Vermutung, dass es im Thailändischen für “normal” und “irrational” nur ein gemeinsames Wort gibt. Zumindest in der politischen Praxis. Absolut normal ist nämlich, dass die politische Auseinandersetzung hier im wesentlichen vor Gericht ausgetragen wird - alle paar Wochen wird irgendeine Partei aufgelöst, werden Minister eingesperrt oder zum Rücktritt gezwungen. Besonders populär sind Stimmenkauf und Korruptionsvorwürfe - in einem gigantischen Glashaus, in dem freilich jeder gerne den ersten Stein wirft. Wer dann noch eins draufsetzen möchte, der zückt die berüchtigte “lèse majesté”, also das Gesetz das einen König vor Kritik schützt, auch wenn dieser selbst seine Fehlbarkeit und Kritikwürdigkeit betont.

Sofern ein politisches déjà-vu, also eine Wiederholung von Ereignissen binnen weniger Jahre als Zeichen einer Normalisierung gewertet werden kann, ist es auch normal, dass sich eine Gruppe linksintellektueller Royalisten mit dem Namen “Volksallianz für Demokratie” jeweils ein paar Wochen NACH parlamentarischen Wahlen formiert, ihren “Nachwahlkampf” auf die Strasse verlegt um ihr 1-Punkt-Wahlprogramm, nämlich den Sturz der eben gewählten Regierung zu erzwingen, um sich im darauffolgenden Chaos wieder formell aufzulösen.

Die Belagerung des Government House
Nun haben sich die Anführer dieser Gruppe, auf die mittlerweile Haftbefehle ausgesetzt sind, seit 5 Tagen hinter Stacheldraht im Regierungsgebäude verbarrikadiert und warten (bislang vergeblich), dass die Polizei Polizei zuschlägt. Doch ausgerechnet jener 73-jährige Neo-Premier, der in 4 Jahrzehnten als Berufspolitiker, mehrmaliger Minister und Vizepremier (und Fernsehkoch) eine Reihe zweifelhafter Meriten für diverse Polizeiniederschlagungen verdient hat, zögert nun, in die gestellte Falle zu tappen. Er pfeift die Polizei zurück und meint recht leger: Ach, kein Problem … die Haftbefehle gelten 10 Jahre lang … wir haben also keine Eile.

Premierminister Samak ist zugleich auch Verteidigungsminister. Zumindest am Papier. Was den ihm unterstellten Armeechef aber nicht hindert, ihm das Einschreiten der Armee rund um das Regierungsgebäude zu versagen, und ihm stattdessen ebenfalls den Rücktritt nahezulegen. Quasi mit demselben Recht, mit dem Gewerkschafter währenddessen den Angestellten der Eisenbahn und der staatlichen Thai Airways “offiziell” dienstfrei geben, um sich den Protesten anschliessen zu können. Inzwischen haben es sich die PAD-Demonstranten im Regierungsgebäude inzwischen schon recht gemütlich eingerichtet und in diversen Büros, Minister-Konferenzräumen und in des Premierministers Garage Latrinen gegraben, Duschen und Küchen installiert.

Was tut man als Thai, wenn nichts mehr geht? Richtig - Papa wird’s schon richten. Also flog der Premier gestern nach Hua Hin, wo sich die königliche Sommerresidenz befindet. Offiziell war er nicht dort, und bei seiner Rückkehr heute mittag ist er wortlos aus dem Flugzeug gestiegen und nach Hause gefahren. (zur Erinnerung: sein Büro ist ja besetzt … ;)

Das letzte Wort hat der König. Nicht offiziell, denn Thailand ist eine konstitutionelle Monarchie nach englischem Muster - aber de facto. Bloss wissen wir jetzt nicht, was er gesagt hat. Und vor allem nicht, was er damit gemeint hat. Es bleibt also spannend - und alles ist möglich, wie immer in Thailand.

Postscriptum I. Amazing Thais: Zwischen Genie und Wahnsinn
Thais sind grossartige Menschen, ich liebe sie, alltogether. Sie sind einmalig, so kindlich offensichtlich und doch so unverständlich, ambivalent und immer charmant. Man muss sie einfach lieben. Wer das nicht versteht und sich 13 Minuten Zeit nehmen möchte um zu verstehen, dass nichts zu verstehen ist, der möge sich den 2. Teil des sensationellen, eingangs erwähnten AlJazeera-Interviews zum Amtsantritt des Noch-Premierministers bis zum furiosen Ende anschauen. Ein Genuss. Wer allerdings daraus schlau wird und sich irgendeine Meinung zutraut, der möge sich umgehend bei mir melden. 

Postscriptum II. Amazing Thailand: The show must go on.
Mir ist ja persönlich die ganze politische Clownerie zuwieder, wo auch immer sie auf dieser Erde auftritt. Aber auch die thailändische Politik hat etwas Grossartiges … etwas von Shakespeare, von baroken Seifenopern … tragisch und komisch …  - wenn ich an den österreichischen Wahlkampf denke, fällt mir immer nur der Begriff “kleinlich” ein. Leserbriefschreiben ist natürlich auch kindisch, aber vor allem Zeichen eines subtilen Instrumentariums einer müden mitteleuropäischen Zivilisation. Hier hingegen ist alles viel direkter, klarer, plastischer … einfach “dramatisch”. 

Fazit: Zum Glück sind die Polit-Show in Bangkok und das tägliche Leben der Thais zwei getrennte Paar Schuhe. Thais schauen sich lieber fiktive Seifenopern im Fernsehen an. Direkte Auswirkungen sind praktisch unsichtbar. Selbstverständlich haben politische Dauerkrisen langfristige Auswirkungen auf das gesamte Land und seine wirtschaftliche Entwicklung. Doch dieses Land entwickelt sich schon seit Jahrzehnten trotz politischer Dauerkrisen einigermassen gut. Erstaunlich gut. Bewundernswert gut! So hoffen wir, dass auch diese Episode bald, und vor allem unblutig, vorüberzieht.

 

 

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Meine kleine Wolke auf der Weltgoogle

July 8, 2008 | 4:35 pm

Google Earth Wolke über Najomtien, ThailandDie Google-Earth-Satellitenbild-Redakteure konnten ja bis dato kaum Schritt halten mit der regen Bautätigkeit an Thailand’s “Eastern Seaboard”. Ein grosser Teil der modernen Ansiedlungen, die allesamt fertig begrünt und bewohnt sind, waren bislang bestenfalls als Baugruben in Google Earth zu besichtigen. Unlängst aber wurden die Bilder erneuert. Alle meine Bekannten, die immer schon wissen wollten wo ich wohne, können jetzt also endlich das Dach meines Hauses sehen. Wenn sie gut sehen können! Denn in meinem Quadranten könnte ebensogut 221b, Baker Street “under the thick fog” liegen. Aber mit etwas Abstand betrachtet ist es sehr leicht zu ermitteln, wo ich wohne: im Epizentrum der dicken Wolke, etwas östlich von der grossen Bucht. Gefällt mir sehr, übrigens - macht das ganze etwas mysteriös. Die kleine Bucht nördlich mit den vielen blauen Markierungen ist übrigens Pattaya Beach. Dort, wo man nächtlicherweise sehr leicht in nebelige Zustände gerät, hätte eigentlich die Wolke besser hingepasst.

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Politik auf den Punkt gebracht

June 16, 2008 | 11:53 am

Bürgermeister-Kandidat affichiert wertvollen Einblick in die Politiker-Psyche.

Wahlplakat bring Politkerwunsch auf den Punkt: Love me!Die Asiaten sind ja gemeinhin dafür bekannt, heikle und auch weniger heikle Dinge kunstvoll zu umschreiben. Gerade die Thais haben sich aber eine liebenswürdige “Kindlichkeit” bewahrt, die sich in vielen Dingen als entwaffnende Direktheit äussert.

Viel kann ich auf dem Wahlplakat der Liste 2 (von 12!) für den Bürgermeisterposten unseres aufstrebenden Fischerdorfs ja nicht entziffern … aber gut, ich bin ja auch nicht wahlberechtigt. Aber das Englische, das quasi direkt aus dem Mund des Kandidaten zu kommen scheint, springt mir sofort ins Auge: “Love me”. Kein Scherz, sondern die nackte Wahrheit: “Liebe mich”, und etwas kleiner und sinngemäss übertragen “Liebe meine Listenmitglieder”.

Ja - das ist es. Das muss der Kern der Sache sein: Der homo politicus will in erster Linie geliebt werden! Der gebürtige Ösi denkt da natürlich gleich an den armen Gusi - aber lieber Gusi, Kopf hoch … es ist ja nicht so schlimm. Übrigens: in der Thailändischen Regierung hättest Du kaum 10 Tage überlebt - was Dir im Alpenland entgegenweht, ist da vergleichsweise ein laues Mailüfterl ;)

 

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Die Russen kommen kaufen.

June 6, 2008 | 4:28 pm

Russian MatrjoschkasOb beim Après-Ski, mit Wodka-Kater unter Palmen oder auf Einkaufstour in der Wüste - die Russen sind schlichtweg überall anzutreffen, seit sie es sich ökonomisch (und politisch) leisten können. Das ist freilich nichts neues, und das ist auch gut so. Weniger gut: Die russische Mittelschicht, die zu einem Grossteil in Moskau konzentriert ist, kann sich dafür Moskau langsam nicht mehr leisten. Moskau - die teuerste Stadt der Welt. Ein Paradoxon der jüngeren Weltgeschichte …

So ist es kein Zufall, dass laut einem Bericht der Bangkok Post russische Immobilien-Käufer dieses Jahr an die 40% des Immobilienangebots in Thailand’s grösstem Beach-, Shopping- und Entertainment-Resort Pattaya aufkaufen werden. Selbstverständlich Schwerpunkt im Top-Segment. Die Rechnung ist einfach - Kleine Matrjoschka für den Moskauer Rubel, grosse Matrjoschka für den Thailändischen Baht: 4000 Dollar pro Quadratmeter für ein Top-of-the-line-Penthouse hier, 20.000 Dollar für einen durchschnittlichen kalten Quadratmeter dort. Ganz zu schweigen von sonstigen Annehmlichkeiten …

Traditionell waren in und um Pattaya und Bangkok die Skandinavier in den letzten Jahren tonangebend - was den Kommentator der Bangkok Post dazu verleitet, die Gemeinsamkeit der Skandinavier mit den Russen zu betonen: ein schrecklicher Winter. Das mag für die Skandinavier sicher der Hauptgrund sein, denn sie lassen sich vorwiegend im Pensionsalter hier nieder, tauschen die Frau nochmal gegen ein 30 Jahre jüngeres Modell aus und pfeifen für ihren Lebensabend auf die Mitternachtssonne. Deutsche detto.

Nicht aber die Russen. Russische Pensionisten spielen ökonomisch freilich in der Sub-Liga - und demensprechend sind die Russen, die nach Pattaya kommen auch im Schnitt vergleichsweise jung - typischerweise zwischen 30 und 40 - und kommen mit ihren gleichaltrigen russischen Frauen. Als Touristen sind sie ob Ihrer Trinkfestigkeit natürlich zuweilen eine Gefahr für den Hotelfrieden, was in Pattaya halb so tragisch ist. Und als Immobilienkäufer, zumindest zum Überwintern, wird ihnen der rote Teppich ausgerollt.

Ich persönlich mag sie. Sie drücken den Altersschnitt der Weisshäutigen etwas in meine Richtung. Denn die Thais hier am heraussen am Land mussten ja schön langsam glauben, wir Farangs kommen mit ungefähr 60 Lenzen auf die Welt. Und irgendwer muss ja auch die Dutzenden Ferraris, Lambos und Aston Martins kaufen, die hier feilgeboten werden.

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Naturgemäß beneide ich Dich!

June 2, 2008 | 2:04 pm

The beach in my glassesUnlängst schrieb mir ein Freund per Skype folgende denkwürdige Worte: “Naturgemäß beneide ich Dich.” Nachdem ich nun schon bald ein Jahr in der ewigen Sonne lebe höre ich soetwas natürlich gelegentlich. Aber in dieser Direktheit und eleganten Thomas-Bernhard-Formulierung höre ich es nicht alle Tage, und schon gar nicht aus dem Mund eines Bankers. Grund genug, über die Naturgemässheit des Beneidens von Auswanderern nachzudenken.

Warum beneidet man einen Auswanderer? Ist der sprichwörtliche Auswanderer nicht jemand, der aus jahrelang angehäuftem Frust und generellem ennui heraus alles hinschmeisst und irgendwo an irgendeinen sonnigen Strand flüchtet und das geniesst, was von seinem Leben noch übrig ist? Beneidet man ihn gerade deshalb, weil man glaubt er habe zumindest das schlimmste schon hinter sich gebracht? Oder darum, weil er den ganzen Tag am Strand sitzt und seine Füsse ins Meer hält? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Es unendlich viele individuelle Gründe dafür, auszuwandern oder eben nicht auszuwandern. Letztlich ist alles eine Frage der individuellen Lebensgeschichte.

Die Sache mit dem Neid ist wohl ein Fall von Vorurteil versus latenten Sehnsüchten. Womit ich nun bei meiner eigenen Erfahrung wäre.

Was ist der Kern der Sache?

Einser-Frage: Was treibst du so den ganzen Tag? Geniesst dein Leben? Antwort: Das gleiche wie vorher. Arbeite, esse, schlafe, verbringe Zeit mit meiner Frau, spiele mit dem Hund und - ja - geniesse mein Leben! Mein Leben “davor” und jetzt unterscheidet sich im wesentlichen in drei Punkten: Erstens Klima, zweitens Wetter, und drittens Temperatur.

Alles andere? same same! 
Basically. 

 

 

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