chr’s personal website

I’m a grafic designer, copywriter & webworker
  • English
  • Deutsch
  • rss
  • Home
  • Blog
  • Photos
  • Über mich
  • Kontakt
  • Client-Login Area

Der Tod und das Mädchen - eine digitale Odysee

June 9, 2008 | 12:09 pm

Franz Schubert, Quelle: Wikimedia CommonsAuch dieses Jahr habe ich wieder die Ehre, mit der Gestaltung der Drucksorten zum vorweihnachtlichen Charity-Event des Bankhauses Krentschker in Graz beizutragen. Darrel Toulon wird diesmal unter anderem eine Choreographie über Schubert’s Streichquartett Nr. 14 in D-Moll, besser bekannt als “Der Tod und das Mädchen”,  machen. Grosse Freude: Anlass, mich wieder in einen meiner absoluten all time favorites einzuhören bevor ich mich an die Design-Arbeit mache. Grosses Entsetzen: Tod und Mädchen haben meinen Digitalisierungsrausch überlebt und schlummern 8000 km entfernt in meiner CD-Sammlung. Symphonien, Klaviertrios, Messen, Impromptus … alles da - nur nicht der morbideste Schubert Franzl aller Zeiten. Auch nicht der zweite Satz allein. Wie konnte das passieren - ausgerechnet mir, der ich so ein Andante-con-moto-Typ bin?

Na gut - auf zum Kauf! Natürlich kann ich nicht mal schnell in Wien’s Klassik-Guru-Läden vorbeischaun und mich zur besten aller erhältichen Aufnahmen verführen lassen. Also say hello - willkommen im iTunes-Store. Oh Gott … “Schubert Tod Mädchen” a.k.a. “death and the maiden” werfen nur ein paar überschmelzte, in Zuckerwatte und digitalem Hall ertrunkene Aufnahmen aus, bei denen das Mädchen dem Tod besser nicht von der Schaufel gesprungen wäre. Und dann lese ich noch den Namen James Levine verlasse den Laden mit einer allergischen Reaktion. 

Also Strategiewechsel: Streichquartett? Alban Berg Quartett!! Weniger aus Patriotismus, mehr aus Überzeugung. Nach der Papierform unschlagbar - Blind-Kauf zulässig. Google nennt mir auch gleich EMI als Label und belehrt mich im Vorübergehen, dass das Quartett aller Quartette von der Bühne abtritt (ausgezeichneter Nachruf in der ZEIT, übrigens). Dann beginnt eine virtuelle wo-kann-ich-das-Zeug-kaufen-und-downloaden-Odysee, an deren Ende ich das Stück meiner Begierde letztlich doch noch über den iTunes-Store beziehe (mit breiterem Suchbegriff leicht zu finden).

Der Frust danach - Online Klassik shoppen: eine vermeidbare Katastrophe!

Aber der wirkliche, weil ungelöste Frust kam erst nach dem Kauf. Nicht dass die Aufnahme schlecht wäre … nein nein, sie hält absolut was sie verspricht. Aber wo ist die Begleitinformation? Alban Berg Quartett, erschienen 1997 - aber wann aufgenommen? Wo? In welcher Besetzung? (der legendäre Bratschist des Quartetts verstarb 1995 … - von wann, liebe EMI ist die Aufnahme?) Ein Label wie EMI Classics weiss doch ganz genau, was der Klassik-Fan wissen MUSS! 

Die Informationen und die ganze Aufmache der erschienenen Werke sind stümperhaft bis nicht-vorhanden, und eine schnelle Test-Runde durch die anderen grossen Klassik-Labels dreht mir den Magen um. Sony/BMG sind überhaupt die schlimmsten - ausser Kaufbuttons die zu Amazon und anderen (eigenen?) Shops gibt es hier gar nichts (verweilens-) würdiges. Nicht einmal die Kaufbuttons sind richtig verlinkt - ein Klick auf Yevgeni Kissin’s  Konterfei, und Donna Summer, Neil Diamond und Iron Maiden lächeln mir aus dem Shop entgegen. So verkauft man “Masterworks”? Einzig die Deutsche Grammophon lässt Hoffnung aufkommen - sie bietet nämlich nebst schönen Beschreibungen zum Kauf auch das Booklet als pdf-Download an. Sehr fein - hätte meine Probleme schlicht und einfach gelöst!

Also liebe Plattenbosse - bevor ihr noch ein weiteres Jahrzehnt lang mit DRM herumwürgt und die Malaise der Branche im mp3-Zeitalter bejammert - macht doch einmal Eure Hausaufgaben! Ich will (online) VERFÜHRT werden - nicht frustriert!

Comments
No Comments »
Categories
Musik
Tags
Alban Berg Quartett, Klassik, Musik, Online Kauf, Schubert, Webdesign
Comments rss Comments rss
Trackback Trackback

chr's Blog

  • Der letzte Wille des Alfred Nobel
  • Ausnahmezustand
  • Steuerverschwendungsaktionismus
  • Der amerikanische Held
  • Brace for impact.
  • Warten auf Godot
  • In god we tru$t?
  • Die Staatsschuldenuhr
  • Bangkok Dangerous
  • Der Paulson Plan

Latest Comments

  • Joerg on Der letzte Wille des Alfred Nobel
  • dta on Die Staatsschuldenuhr
  • Peter Wurm on Steuerverschwendungsaktionismus
  • Peter Wurm on Steuerverschwendungsaktionismus
  • Woody on Die Staatsschuldenuhr
rss Comments rss valid xhtml 1.1 design by jide powered by Wordpress get firefox