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It is a mess.

August 30, 2008 | 4:39 pm

“Back to normal” waren die Worte, die der thailändische PM Samak vor einen halben Jahr, wenige Tage nach seiner Angelobung, in einem englischsprachigen Interview immer wieder gebraucht hatte. Back to normal ist quasi der running gag in der thailändischen Politik schlechthin. Politische Krisen sind in Thailand wesentlich häufiger, schärfer und dynamischer als Konjunkturzyklen. Die aktuelle Krise begann vor ca. 3 Jahren mit dem Anfang vom Ende des Premierministers Taksin, der sich vor wenigen Tagen nun endgültig entschieden hat, im Londoner Exil zu bleiben.

Im April 2006, wenige Wochen vor einer vorgezogenen Parlamentswahl, in der sich Taksin in seinem Mandat bestätigen wollte - baten der damalige Oppositionsführer sowie die Führung der neugegründeten “People’s Alliance for Democracy”, PAD, seine Majestät den König einen neuen Premierminister einzusetzen. In einer seltenen TV-Ansprache vor Höchstrichtern sagte der König daraufhin folgendes: “Asking for a Royally-appointed prime minister is undemocratic. It is, pardon me, a mess. It is irrational”. Taksin gewann die Wahl wie erwartet, nach einer königlichen Audienz kündigte er seinen baldigen Rückzug aus der Politik an, und nicht lange später zog die Armee mit eine coup d’etat seinen Rückzug vor.

Normal irrational
Leider bin ich der thailändischen Sprache noch nicht mächtig … - ich habe also noch eine dunkle Vermutung, dass es im Thailändischen für “normal” und “irrational” nur ein gemeinsames Wort gibt. Zumindest in der politischen Praxis. Absolut normal ist nämlich, dass die politische Auseinandersetzung hier im wesentlichen vor Gericht ausgetragen wird - alle paar Wochen wird irgendeine Partei aufgelöst, werden Minister eingesperrt oder zum Rücktritt gezwungen. Besonders populär sind Stimmenkauf und Korruptionsvorwürfe - in einem gigantischen Glashaus, in dem freilich jeder gerne den ersten Stein wirft. Wer dann noch eins draufsetzen möchte, der zückt die berüchtigte “lèse majesté”, also das Gesetz das einen König vor Kritik schützt, auch wenn dieser selbst seine Fehlbarkeit und Kritikwürdigkeit betont.

Sofern ein politisches déjà-vu, also eine Wiederholung von Ereignissen binnen weniger Jahre als Zeichen einer Normalisierung gewertet werden kann, ist es auch normal, dass sich eine Gruppe linksintellektueller Royalisten mit dem Namen “Volksallianz für Demokratie” jeweils ein paar Wochen NACH parlamentarischen Wahlen formiert, ihren “Nachwahlkampf” auf die Strasse verlegt um ihr 1-Punkt-Wahlprogramm, nämlich den Sturz der eben gewählten Regierung zu erzwingen, um sich im darauffolgenden Chaos wieder formell aufzulösen.

Die Belagerung des Government House
Nun haben sich die Anführer dieser Gruppe, auf die mittlerweile Haftbefehle ausgesetzt sind, seit 5 Tagen hinter Stacheldraht im Regierungsgebäude verbarrikadiert und warten (bislang vergeblich), dass die Polizei Polizei zuschlägt. Doch ausgerechnet jener 73-jährige Neo-Premier, der in 4 Jahrzehnten als Berufspolitiker, mehrmaliger Minister und Vizepremier (und Fernsehkoch) eine Reihe zweifelhafter Meriten für diverse Polizeiniederschlagungen verdient hat, zögert nun, in die gestellte Falle zu tappen. Er pfeift die Polizei zurück und meint recht leger: Ach, kein Problem … die Haftbefehle gelten 10 Jahre lang … wir haben also keine Eile.

Premierminister Samak ist zugleich auch Verteidigungsminister. Zumindest am Papier. Was den ihm unterstellten Armeechef aber nicht hindert, ihm das Einschreiten der Armee rund um das Regierungsgebäude zu versagen, und ihm stattdessen ebenfalls den Rücktritt nahezulegen. Quasi mit demselben Recht, mit dem Gewerkschafter währenddessen den Angestellten der Eisenbahn und der staatlichen Thai Airways “offiziell” dienstfrei geben, um sich den Protesten anschliessen zu können. Inzwischen haben es sich die PAD-Demonstranten im Regierungsgebäude inzwischen schon recht gemütlich eingerichtet und in diversen Büros, Minister-Konferenzräumen und in des Premierministers Garage Latrinen gegraben, Duschen und Küchen installiert.

Was tut man als Thai, wenn nichts mehr geht? Richtig - Papa wird’s schon richten. Also flog der Premier gestern nach Hua Hin, wo sich die königliche Sommerresidenz befindet. Offiziell war er nicht dort, und bei seiner Rückkehr heute mittag ist er wortlos aus dem Flugzeug gestiegen und nach Hause gefahren. (zur Erinnerung: sein Büro ist ja besetzt … ;)

Das letzte Wort hat der König. Nicht offiziell, denn Thailand ist eine konstitutionelle Monarchie nach englischem Muster - aber de facto. Bloss wissen wir jetzt nicht, was er gesagt hat. Und vor allem nicht, was er damit gemeint hat. Es bleibt also spannend - und alles ist möglich, wie immer in Thailand.

Postscriptum I. Amazing Thais: Zwischen Genie und Wahnsinn
Thais sind grossartige Menschen, ich liebe sie, alltogether. Sie sind einmalig, so kindlich offensichtlich und doch so unverständlich, ambivalent und immer charmant. Man muss sie einfach lieben. Wer das nicht versteht und sich 13 Minuten Zeit nehmen möchte um zu verstehen, dass nichts zu verstehen ist, der möge sich den 2. Teil des sensationellen, eingangs erwähnten AlJazeera-Interviews zum Amtsantritt des Noch-Premierministers bis zum furiosen Ende anschauen. Ein Genuss. Wer allerdings daraus schlau wird und sich irgendeine Meinung zutraut, der möge sich umgehend bei mir melden. 

Postscriptum II. Amazing Thailand: The show must go on.
Mir ist ja persönlich die ganze politische Clownerie zuwieder, wo auch immer sie auf dieser Erde auftritt. Aber auch die thailändische Politik hat etwas Grossartiges … etwas von Shakespeare, von baroken Seifenopern … tragisch und komisch …  - wenn ich an den österreichischen Wahlkampf denke, fällt mir immer nur der Begriff “kleinlich” ein. Leserbriefschreiben ist natürlich auch kindisch, aber vor allem Zeichen eines subtilen Instrumentariums einer müden mitteleuropäischen Zivilisation. Hier hingegen ist alles viel direkter, klarer, plastischer … einfach “dramatisch”. 

Fazit: Zum Glück sind die Polit-Show in Bangkok und das tägliche Leben der Thais zwei getrennte Paar Schuhe. Thais schauen sich lieber fiktive Seifenopern im Fernsehen an. Direkte Auswirkungen sind praktisch unsichtbar. Selbstverständlich haben politische Dauerkrisen langfristige Auswirkungen auf das gesamte Land und seine wirtschaftliche Entwicklung. Doch dieses Land entwickelt sich schon seit Jahrzehnten trotz politischer Dauerkrisen einigermassen gut. Erstaunlich gut. Bewundernswert gut! So hoffen wir, dass auch diese Episode bald, und vor allem unblutig, vorüberzieht.

 

 

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Deutsch, Thailand
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Krise, PAD, Politik, Thailand
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Super Al: We can solve it!

July 19, 2008 | 3:02 pm

16.Juli 1969: Der damals 21-jährige Al Gore steht mit seinem Vater nahe der Abschussrampe, die Apollo 11 und damit J.F. Kennedy’s Traum vom ersten Amerikaner am Mond in den Himmel feuert. Er ist begeistert. 10 Jahre hatte Kennedy gesagt, binnen 10 Jahren wollen wir Geschichte schreiben. Mit einem absolut verrückten Plan. They did it.

17.Juli 2008: Al Gore, mittlerweile ehemaliger Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger, hält eine Rede: In 10 Jahren, 100% Carbon-free energy in den U.S.A. Auf Los geht’s los. Ich bin begeistert.

Eine Rede, die zu keinem besseren Zeitpunkt in keiner brillianteren Form und aus keinem besseren Mund hätte kommen können. Ich hoffe, dass diese Rede in die Geschichte eingeht, und dass es ihm - also uns - gelingen wird, den künftigen US-Präsidenten so vor sich herzutreiben, dass die Amerikaner nun genau das tun, was sie doch am liebsten tun und wofür sie immer schon immenses Talent bewiesen haben: die Führung übernehmen. Jetzt haben sie nämlich wirklich die historische Chance, der Welt etwas gutes zu tun, indem sie ihren eigenen Hals aus der selbstgeschaffenen Öl-Schlinge ziehen.

Vor ein paar Wochen haben sogar die Chinesen und die Inder gemeinsam von den Amerikanern und Europäern gefordert, sie mögen doch bitte mit gutem Beispiel vorangehen und der Welt zeigen, wie man dem Klimawandel entgegentritt. Denn wo sonst, so die Schwellenländer-Giganten, gibt es die Technologie, das Know-How und das Kapital dazu. Auf Europa braucht freilich keiner einen müden Heller setzen (Wer ist Europa?), daher bitte Herr Obama oder Herr Mc Cain: zündet diesen Plan. Beide Präsidentschaftskandidaten haben freilich Stunden nach der Rede die Rhetorik des Herrn Gore gelobt, hervorgehoben und unterschrieben. Man wird sehen, ob es bei der Rhetorik bleibt oder nicht …

Nicht dass ich meine Hoffnungen auf irgendeine Regierung dieser Welt setzen würde. Aber wenn der Druck gross genug wird, besteht ja doch die Chance, dass auch Regierungen Ihre Rolle übernehmen. Ich bin Al Gore’s Initiative beigetreten, weil sie sich nicht ausschliesslich an die Politik richtet, sondern genauso an die Wirtschaft, an die Wissenschaft und letztlich an jeden von uns richtet. Und ich werde meinen persönlichen 10-Jahres-Carbon-free-Plan in Angriff nehmen. President Kennedy hat etwas über 8 Jahre gebraucht, um mit vereinten Kräften quasi von Null auf den Mond zu fliegen. Das Ziel war verwegen - so verwegen, dass heute noch nicht wenige an eine PR-Veschwörungstheorie glauben, wonach das ganze nur ein Fake war. Am 20.Juli 1969 haben sie es geschafft - ob’s nun wahr ist oder nicht, die Symbolkraft ist kollosal. Am selben Sonntag wurde ich geboren. Das ist definitiv kein Fake. Und weniger geschichtsträchtig. Aber es wird mich selbst daran erinnern, dass jeder von uns eine bescheidene historische Chance und Verantwortung in sich trägt.

Al Gore’s Initiative: wecansolveit.org
Die Rede im kommentierten Wortlaut in der NY Times 

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Globales
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Al Gore, Change, Global, Klimawandel, Politik, USA
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Politik auf den Punkt gebracht

June 16, 2008 | 11:53 am

Bürgermeister-Kandidat affichiert wertvollen Einblick in die Politiker-Psyche.

Wahlplakat bring Politkerwunsch auf den Punkt: Love me!Die Asiaten sind ja gemeinhin dafür bekannt, heikle und auch weniger heikle Dinge kunstvoll zu umschreiben. Gerade die Thais haben sich aber eine liebenswürdige “Kindlichkeit” bewahrt, die sich in vielen Dingen als entwaffnende Direktheit äussert.

Viel kann ich auf dem Wahlplakat der Liste 2 (von 12!) für den Bürgermeisterposten unseres aufstrebenden Fischerdorfs ja nicht entziffern … aber gut, ich bin ja auch nicht wahlberechtigt. Aber das Englische, das quasi direkt aus dem Mund des Kandidaten zu kommen scheint, springt mir sofort ins Auge: “Love me”. Kein Scherz, sondern die nackte Wahrheit: “Liebe mich”, und etwas kleiner und sinngemäss übertragen “Liebe meine Listenmitglieder”.

Ja - das ist es. Das muss der Kern der Sache sein: Der homo politicus will in erster Linie geliebt werden! Der gebürtige Ösi denkt da natürlich gleich an den armen Gusi - aber lieber Gusi, Kopf hoch … es ist ja nicht so schlimm. Übrigens: in der Thailändischen Regierung hättest Du kaum 10 Tage überlebt - was Dir im Alpenland entgegenweht, ist da vergleichsweise ein laues Mailüfterl ;)

 

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Kuriosa, Thailand
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Politik, Thailand, Wahlen
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